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Buch über Klimakatastrophe:Die angekündigten Apokalypsen

Waldbrände in Kalifornien

Nimmt alle anderen Gründe für einen Weltuntergang in sich auf - die Klimakatastrophe. Reste eines ausgebrannten Hauses nach Waldbränden in Kalifornien.

(Foto: dpa)
  • Die Philosphin Deborah Danowski und der Ethnologe Eduardo Viverios de Castro erläutern in ihrem Buch "In welcher Welt leben" Varianten des Weltuntergangs.
  • Der Anfang vom Ende, so die Annahme der beiden Apokalyptiker, sei die Gegenübersetzung von "Mensch" und "Natur" mit der Entstehung der modernen Wissenschaften im 17. Jahrhundert gewesen.
  • In ihrem Werk, das von Antikapitalismus geprägt ist, benennen die beiden Autoren kalt und genau die wohl schlimmste Konsequenz des Klimawandels: die verschärfte Ungleichheit zwischen Arm und Reich.

Am Ende des Films "Melancholia" (2011), als der umherschweifende Planet, der die Erde zerstören wird, schon in gewaltiger Größe am Horizont steht, verlassen die letzten Menschen ihre Wohnung. Aus einigen eilig gesammelten Stöcken errichten sie ein primitives Obdach auf einer Wiese über dem Meer. Darin sitzen eine von Weinkrämpfen geschüttelte Frau, ihre Schwester, die nervös, aber gefasst dem Ende entgegensieht, und ein Kind mit geschlossenen Augen. Das Kind vertraut auf das Versprechen der Erwachsenen, es handele sich bei den Stöcken um ein "magisches Zelt". Aber das Versprechen ist Betrug. Am Ende, meint Lars von Trier, der Autor und Regisseur des Films, gebe es keinen Ausweg, keine Rettung und keine Vorbehalte. Alle, die Reichen, die Armen und die Guten, die Hässlichen, die Habgierigen und die Hoffnungsvollen, werden als Asche durch den Weltraum segeln, nach einem ultimativen Akt der Zerstörung, der äußerste Gewalt und äußerste Befreiung zugleich sein wird.

Der Weltuntergang, wie Lars von Trier ihn entwirft, ist nur eine von etlichen Varianten der finalen Katastrophe, denen sich die brasilianische Philosophin Deborah Danowski und der Ethnologe Eduardo Viveiros de Castro in ihrem Buch "In welcher Welt leben?" widmen. Dabei fällt ihnen auf, dass die Apokalypse des dänischen Regisseurs aus einer Perspektive beschrieben ist, die "außerhalb der Erde" liegen muss: Denn am Ende ist nichts mehr da, die Menschen nicht, die Welt nicht, und es wird auch niemanden mehr geben, der das Fehlen der Erde samt ihren Menschen in irgendeiner Weise bemerken könnte. Dennoch gibt es den Film, und das Leben geht weiter. Der Filmautor, der ein Blutopfer als Erlösung des Universums von einer verworfenen Spezies inszeniert, scheint sich, so lässt sich daraus schließen, für eine Art Gesandten des Jüngsten Gerichts zu halten. Er bezieht eine Genugtuung aus dem Debakel, ähnlich wie die radikalen Pietisten, die auch immer schon glaubten, das letzte Strafgericht stehe unmittelbar bevor, und mit diesem Glauben ihre Zeitgenossen plagten.

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Die Geschichte des Films hat oft ein kurzes Gedächtnis. Wenn "Melancholia" dennoch nicht aus der Erinnerung verschwunden ist, so liegt das daran, dass der Weltuntergang für viele Menschen aktuelle Gestalt angenommen zu haben scheint, und zwar in der Erwärmung des Klimas. Der "Ruin unserer globalen Zivilisation", sagen Deborah Danowski und Eduardo Viveiros de Castro, sei "aufgrund ihrer eigenen unwidersprochenen Hegemonie" zu erwarten, wobei dieser Untergang "beträchtliche Teile der menschlichen Bevölkerung mit sich ziehen könnte". An diesem Satz ist zumindest so viel richtig, dass die Klimakatastrophe seit Jahren schon im öffentlichen Bewusstsein alle anderen Gründe für einen Weltuntergang in sich aufnimmt. Über den Konjunktiv "könnte" wäre indessen eine Weile nachzudenken, genauso wie über die Kategorie "Zivilisation". Denn wer oder was ist das eigentlich? Eine Antwort geben die beiden Autoren nicht.

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Was Deborah Danowski und Eduardo Viveiros de Castro hingegen bieten, in einer Weise, die in den vielen Schriften über die nahende Klimakatastrophe nicht ihresgleichen hat, ist eine Phänomenologie der angekündigten Weltuntergänge. Sie werden zum Beispiel danach unterschieden, wie die Welt nach dem Ende der Menschheit aussehen soll: Wie ein zurückgekehrtes Paradies? Ausgestorben und vereist, also "unglaublich tot"? Oder wie im Film "Mad Max" (1980), der eine Restwelt zeigt, in der nur noch wenige gewalttätige Menschen leben, und das auch nur noch für kurze Zeit? Ferner gibt es eine Vision des Weltuntergangs namens "Akzelerationismus", betrieben von Menschen, die glauben, der Weltuntergang lasse sich durch eine technische Perfektionierung des Kapitalismus verhindern. Und es gibt die gewöhnlichen Anhänger des ökologischen Denkens, die glauben, man könne den Weltuntergang aufhalten, indem man sich etlichen (echten oder auch nur vermeintlichen) Errungenschaften der technisierten Demokratie verschließt: dem Fliegen zum Beispiel, der Klimatisierung von Räumen oder dem Verzehr von Fleisch. In allen diesen Vorstellungen, so Danowski und Viveiros de Castro, walte eine Illusion, nämlich die Annahme, es gebe noch so etwas wie eine "Natur", die als etwas für sich Existierendes, dem Menschen als das Andere seiner selbst entgegentritt und also wiederherzustellen wäre.