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Clubkultur:Hilfe, jetzt!

Lunaland im Strom

Clubbetreiber fordern dringend Unterstützung vom Bund.

(Foto: Jakob Berr)

Kleine, private Clubs fühlen sich in der Krise vergessen. Bisherige Hilfen reichen nicht aus. Und schon im Sommer droht ein ganzer Kulturzweig wegzubrechen.

Wie können kleine, private Clubs über die Corona-Krise hinaus gerettet werden? Bundeshilfen seien dringend nötig, fordern Betreiber und hoffen auf diesen Donnerstag, an dem es im Bundestag um Kultur-Finanzhilfen geht. Das Problem: Es gibt zwar bereits Hilfen, doch diese reichten bei weitem nicht, so der Tenor unter Clubchefs und Politikern. Es drohe schon im Sommer ein ganzer Kulturzweig wegzubrechen, der bisher Künstlern alternative Bühnen bot, um sich auszuprobieren und neue Stile zu entwickeln - ein Zweig, der nicht mit Profitinteresse wirtschaftet. Da die Länder unterschiedlich schnell oder gar nicht helfen, fordern Betreiber zügig Hilfe vom Bund.

Im Berliner Club "Gretchen" etwa kann die Chefin Pamela Schobeß mit staatlicher Soforthilfe knapp drei Monate die Miete zahlen, ihre Mitarbeiter hat sie in Kurzarbeit geschickt. Ein 30-Millionen-Euro-Paket, das in Berlin Spielstätten retten soll, klammert Clubs wie ihren aus - es gilt nur für größere mit mehr als zehn Mitarbeitern. "Wir rennen auf die Insolvenz zu", sagt sie. Der Hamburger Karsten Schölermann sagt, sein Club "Knust" überlebe nur, wenn im Herbst wieder Konzerte stattfinden, der Vermieter auf Miete verzichtet oder vom Bund rund 30 000 Euro im Monat fließen, damit er laufende Kosten begleichen kann.

Derzeitige KfW-Kredite kommen für nicht-profitorientierte Clubs, die laut dem Branchenverband Livekomm etwa 30 Prozent der Clubs ausmachen, oft nicht infrage. Denn Clubs, die kaum Rücklagen und wenig Umsatzrendite haben, gelten als nicht kreditwürdig. "Stattdessen braucht es Zuschüsse", fordert Caren Lay, Bundestagsabgeordnete der Linken. Sie plädiert zudem für einen Mietschuldenerlass statt Stundungen und mehr Kurzarbeitergeld. Linke, FDP und Grüne fordern, aus einem Nothilfefonds gezielt Geld zu verteilen. Dieser Fonds wird neben sieben Oppositionsanträgen am Donnerstag diskutiert. CDU/CSU und SPD wollen zudem beschließen, dass Kunden, die gekaufte Tickets zurückgeben, Gutscheine erhalten.

© SZ vom 14.05.2020/cag
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