Brexit-Kolumne (IX) Der polnische Klempner ist für Brexiteers ein Symbol der Überfremdung

Es regnet Sterne.

(Foto: Illustration Jessy Asmus)

...und wird dafür schwer angefeindet. Seltsam, dass viele Gastarbeiter selbst zu den EU-Hassern zählen.

Von Alexander Menden

In diesem Monat will die britische Regierung die Ausstiegsverhandlungen mit der EU eröffnen. Unser Londoner Kolumnist beschreibt, wie der bevorstehende Brexit jetzt schon den Alltag verändert.

Katholische Immigranten siedeln sich traditionell im Londoner Nordwesten an. Lange waren das vor allem Iren, aber seit dem EU-Beitritt Polens 2004 stellt dieses Land die prominenteste Einwanderergruppe. Etliche Mitschüler der Kinder heißen Krzysztof, Magdalena oder Łucja. Beim jährlichen Schulsommerfest bereiten sie auf einem riesigen Grill immer Berge von Breslauer Würstchen zu. Unser bescheidener Tisch kann nur wegen der beliebten deutschen Gummibärchen mithalten.

An diese netten polnischen Eltern und Kinder denkt man beim Besuch der Londoner Buchmesse, die gerade eröffnet wurde. Polen ist Gastland, sein Stand präsentiert sich ländlich, zwischen den Regalen stehen Holzkisten mit Äpfeln. Polnische Verlage sind stolz darauf, dass allein 2015 mehr als 4000 Bücher ins Englische übersetzt wurden. Doch vom polnisch-britischen Alltag ist das weit entfernt.

Wie man zur Heimkehr steht, hat auch einiges mit der derzeitigen polnischen Regierung zu tun

Der ist nicht von Schriftstellern, sondern von Handwerkern geprägt. Polen haben enorm zur Verbesserung der britischen Infrastruktur beigetragen. Trotzdem waren sie nach dem EU-Referendum Hauptziel fremdenfeindlicher Angriffe. Der polnische Klempner ist für manche Brexiteers die Inkarnation von Überfremdung und Arbeitsmarktverzerrung. Wenn man die Wahl hat zwischen einem Engländer, der bei einem Leck im Dach einen Eimer drunterstellt und Löcher in der Wand mit Kaugummi ausbessert, und einem Polen, der kommt, sieht und repariert, fällt die Wahl eben nicht schwer.

Für die Familien dieser Handwerker, deren Kinder alle in Großbritannien geboren wurden, stellt sich, wie für alle EU-Ausländer, die Frage, wie es nach dem Brexit weitergeht. Manche können sich eine Rückkehr nach Polen gut vorstellen, manche finden den Gedanken gruselig. Wie man zur Heimkehr steht, hat auch einiges mit der derzeitigen polnischen Regierung zu tun. Viele Londoner Exil-Polen mögen die alles andere als EU-freundliche Regierungspartei Pis nicht; mindestens ebenso viele haben sie gewählt.

Der Vater von Kuba zum Beispiel, einem talentierten Stürmer in der örtlichen Kindermannschaft. Er hasst Martin Schulz, Jean-Claude Juncker und überhaupt die ganze EU. Dass er seinen Umzug nach England dieser EU verdankt, lässt er nicht gelten. Er entgegnet dann, es gebe eine "besondere Beziehung" zwischen Polen und Briten. Seine Ministerpräsidentin Beata Szydło habe geschworen, Theresa May zu helfen, ein gutes Ausstiegsabkommen mit der EU zu erreichen. Kein Problem für ihn, dass dieses Angebot möglicherweise einer Mischung aus starkem EU-Skeptizismus und der Sorge entspringt, alle Polen könnten mit einem Schlag aus Großbritannien nach Hause zurückkehren.

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Momentan ruht diese Debatte leider. Kuba wurde inzwischen in die A-Mannschaft befördert.