Biografie:Kampfansagen von jungen Pionieren

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Jugendliche Helden engagieren sich für die Zukunft, gegen Zwangsehen und Korruption, für strengere Waffengesetze oder den Erhalt der Artenvielfalt.

Von Renate Grubert

Es sind immer einzelne Menschen, die Richtungen vorgeben, sich engagieren, Bewegungen auslösen. Aber wer sind sie, diese Einzelnen? Was bringt sie dazu, sich zu exponieren und dem rauen Wind auszusetzen, der Pioniere zu allen Zeiten umweht hat? Die Antwort darauf geben die Biografien, in denen sich die Darstellung von persönlichem Engagement findet. Auch und gerade in der Kinder- und Jugendliteratur ist der Trend zur Biografie, zur Fixierung auf Vorbilder zu sehen. Mittlerweile sind die großen Namen bekannt. Es erscheinen jetzt Bücher, in denen aktuelle Aktivisten vorgestellt werden, als greifbare Lehrmeister, als junge Vorbilder, als Menschen "wie du und ich". Und die machen etwas mit dem Leser. Etwas, das die Welt bewegt, das Zeichen setzt - mit Blick auf die kommenden Jahre und Jahrzehnte.

Das Buch "Wir machen Zukunft" fühlt in mehr als doppeltem Sinn am Puls der Zeit. Vorgestellt werden 14 Zukunftsmacher aus aller Welt, nur eine knapp 30 Jahre alt, alle anderen weitaus jünger. In ausführlichen Porträts erzählen Pierre Ducrozet und Julieta Cánepa in Text und Bild sowohl über den Werdegang der engagierten Jugendlichen, ihre Herkunft, Familiensituation und Umgebung wie auch über die Ungerechtigkeiten, die sie in so hohem Maß umtreiben. Manche haben sich schon als Kinder für ihr Thema stark gemacht. Manche riskieren sogar Leben und Freiheit. Halt! Das klingt viel zu milde, denn hier geht es eigentlich um Kampfansagen! Joshua Wong (1996) - kämpft für die Unabhängigkeit Hongkongs; Karolína Farská (1999) - kämpft gegen die Korruption in der Slowakei; Emma Gonzales (1999) - kämpft für strengere Waffengesetze in den USA; Memory Banda (1996) - kämpft gegen Zwangsehen in Ostafrika; Victor Noel (2005) - kämpft für den Erhalt der Artenvielfalt.

Hinter all den Namen stehen mittlerweile Organisationen, um für die weltweit bewegenden Anliegen entsprechende Öffentlichkeit zu gewinnen.

Das sind die Helden unserer Tage, die Vorbilder, die es braucht um aufzurütteln. Natürlich stehen hinter all den Namen mittlerweile Organisationen, um für die weltweit bewegenden Anliegen entsprechende Öffentlichkeit zu gewinnen. Malala Yousafzai und Greta Thunberg liefern beste Beispiele dafür. Auch über diese Entwicklungen berichtet das vorliegende Sachbuch, und zwar in ausgesprochen abwechslungsreichem Inhalt, lockerem, gut gliederndem Layout, sorgsam ausformuliertem Lesetext, immer mit Zahlen unterlegt und, last but not least, mit sehr gelungener Illustration. Hier wird im Unterschied zu den meisten, an Jugendliche adressierten Biografien, auf Foto-Material gesetzt und auf Dokumentation im Magazinstil. Beides kommt der Zielgruppe entgegen, und auch dem erwachsenen Leser, denn die Fotos wecken Emotionen. (ab 12 Jahre)

Julieta Cánepa und Pierre Ducrozet: Wir machen Zukunft. Aus dem Französischen von Kristina Petersen. Gabriel 2021. 160 Seiten, 15 Euro.

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