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Berlinale: "Metropolis":Die gefährliche Blondine

Sie spielt in zehn Stummfilmen, und auch als der Tonfilm zum Massenmedium für Millionen wird, bleibt sie eine feste Größe der Branche. Wahlweise ist sie die kühle Agentin, die wolllüstige Generalsfrau, die mythische Herrin von Atlantis. Der Filmerfolg Alraune etwa funktioniert nach diesem Muster: Eine gefährliche Blondine zeigt dem Publikum ihre nackte Schulter, sie geizt nicht mit ihren erstaunlichen Reizen - aber die Kritiker sind nicht ganz überzeugt.

Brigitte Helm im Jahr 1953. Bereits mit Mitte zwanzig zweifelt die schöne Schauspielerin am Sinn ihrer Arbeit.

(Foto: Foto: Getty)

"Wer schult ihre Sprache weiter?", schreibt der Film-Kurier: "Der Geschäftserfolg, der mit dem Helm-Film von der blonden Loreley beabsichtigt wird, hängt von der Gläubigkeit des Publikums gegenüber dem tollen Halbdunkel der Leinwand ab."

Lieber normale Frau als verführerischer Vamp

Sie verdient viel Geld und spielt mit Heinrich George, Jean Gabin und Gustaf Gründgens, den Größen ihrer Zeit, aber schon mit Mitte zwanzig zweifelt sie am Sinn ihrer Arbeit. In einem höhnisch kommentierten Prozess klagt Brigitte Helm vor einem Berliner Gericht gegen ihren Arbeitgeber: Die Ufa lasse sie nur künstliche Figuren, prätentiöse Gesellschaftsdamen oder Vamps spielen.

Dabei wäre sie viel lieber eine normale junge Frau, keine zwielichtige Verführerin wie Marlene Dietrich, keine erotische Wunderwaffe wie Greta Garbo, mit denen sie ständig verglichen wird. Dass sich ein Kinostar gegen die eigene Verwertung wehrt, ist bisher nicht vorgefallen.

Es kommt zum Eklat, und die Helm, wie sie nur noch heißt, zieht die Klage zurück. Aber nach einer gescheiterten Ehe und durchwachsenen Filmkritiken kann sie sich nur mit Mühe motivieren, auch mittelmäßigen Filmen ihr schönes Gesicht zu leihen. Dazu kommen private Missgeschicke: Helm ist eine passionierte, aber sehr impulsive Autofahrerin, die nach einem folgenreichen Unfall das Glück hat, einen gnädigen Richter zu finden.

Ein alternder Stummfilmstar wollte sie nie werden

Ein idealer Gatte heißt ihr letzter Film von 1935. Danach verschwindet die Schauspielerin fast so abrupt von der Bildfläche, wie sie erschienen ist. Sie heiratet den Unternehmer Hugo Kunheim, der aus einer reichen, sehr distinguierten Industriellenfamilie stammt. Mit ihm bekommt sie vier Kinder und führt ein Leben in exklusiver Abgeschiedenheit.

Sie wohnt im oberbayerischen Aschau und in Ascona, wo sie die Vergessenheit sucht. Wenn sie gelegentlich nach München reist, schützt sie sich vor neugierigen Blicken mit einer Sonnenbrille. "Sie wollte überhaupt nichts mehr mit dem Filmgeschäft zu tun haben, sie hatte damit längst abgeschlossen", erzählt ihre Tochter Tora, die wie ihre Brüder nicht mit der Presse reden durfte. Streng muss sie gewesen sein, auch zu sich selbst.

Ein alternder Stummfilmstar wie die Hauptfigur in Billy Wilders Boulevard der Dämmerung wollte sie nie werden. Aber die Legende von der deutschen Diva, die lieber Hausfrau sein wollte und deshalb Propagandaminister Joseph Goebbels einen Korb gab, überzeugt nur zum Teil.

Vielleicht war sie einfach nur zu früh auf dem Gipfel ihres Ruhms, den sie notgedrungen gleich wieder verlassen musste, weil nicht jeder Film so groß sein kann wie Metropolis. Oder ist das Rätsel gar kein Rätsel? Kann ja sein, dass sie den Beruf der Schauspielerin einfach nicht mochte, wie ihre Tochter vermutet. Auf alle Fälle aber lebt der Mythos Brigitte Helm, den ihr Entdecker Fritz Lang vor langer Zeit mit Metropolis begründete, auch nach ihrem Tod 1996 weiter.

© SZ vom 11.02.2010/kred

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