Metropolis 2010:30 Minuten mehr Mythos

Fritz Langs Kultfilm ist wieder komplett: Auf der Berlinale läuft "Metropolis" in einer rekonstruierten Originalfassung. Dabei kommt auch ein verloren geglaubter Handlungsstrang zum Vorschein. In Bildern.

11 Bilder

Metropolis; Foto: Belleville-Verlag/oH

Quelle: SZ

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Er ist einer der einflussreichsten Stummfilme aller Zeiten und gilt als stilbildend für das Genre des Science-Fiction-Films. Dabei ist "Metropolis" von Fritz Lang nach seiner Premiere auf der Berlinale im Jahr 1927 nie komplett zu sehen gewesen. Er floppte an der Kinokasse, woraufhin die Ufa ihn rigoros umschnitt - wegen des ausbleibenden Erfolgs der millionenschweren Produktion stand sie am Rande einer Pleite. Auch in Amerika wurde das Werk massiv verändert. Eine halbe Stunde der Originalversion schien für immer verloren - bis 2008 in Argentinien verschollene Teilstücke gefunden wurden. Am 12. Februar wird in Berlin und Frankfurt die rekonstruierte Fassung "Metropolis 2010" gezeigt. sueddeutsche.de bringt Fotografien der verschollen geglaubten Szenen. Sie stammen aus dem Buch "Fritz Langs Metropolis", erschienen im Münchner Belleville-Verlag.

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"Metropolis" zeigt die düstere Zukunftsvision einer Stadt, in der die Bevökerungsschichten strikt voneinander getrennt sind: Die Elite genießt das Leben an der Oberfläche und amüsiert sich im Viertel "Yoshiwara", während die Arbeiter im Untergrund für das Leben der Oberen schuften und hausen müssen. Die Stadt steht unter der Kontrolle von Joh Fredersen, der im "Neuen Turm Babel" (Foto) lebt.

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Sein Sohn Freder (Foto) verliebt sich eines Tages in die Unterschichten-Frau Maria, die die Arbeiterschaft aufzuwiegeln droht, und will mehr über das Leben dort erfahren. Um die Unterschicht zu beruhigen, lässt Diktator Fredersen eine Menschmaschine konstruieren, die ebenfalls Maria heißt und die Arbeiter in Fredersens Sinne beeinflusst.

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Die in Argentinien gefundenen Negative des Films stammen aus einer Export-Version und weisen starke Beschädigungen auf - daraus resultieren die Längsstreifen in dieser Fotografie. Zu sehen ist ein kompletter Handlungsstrang, der in der Uraufführungsversion als Parallelmontage geschnitten und in späteren Versionen nicht mehr enthalten war: Der Arbeiter Georgy (im Bild) tauscht mit Freder die Kleidung - und für einen Tag auch den Status: Georgy darf das Licht der Oberfläche erblicken, während Freder den Schrecken der Unterwelt erlebt. Freder gibt Georgy den Auftrag, den ...

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... von Fredersen entlassenen Sekretär Josaphat zu besuchen. Auf einem Zettel notiert er dessen Adresse. In den bisher bekannten Versionen war er nicht zu sehen - jetzt zeigt sich, dass Regisseur Fritz Lang den Zettel als dramaturgisches Mittel einsetzt. Georgy, der mit Freder die Kleidung getauscht hat, um an der Oberfläche nicht als Arbeiter erkannt zu werden, zieht den Zettel aus der Tasche von Freders Hose - findet dabei aber auch Geld. Er lässt sich mit dem Auto ...

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... durch Metropolis fahren und wird Zeuge ungewohnter Bilder: Im Auto nebenan schminkt sich eine Frau, deren ...

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... ungewohnter Anblick bei dem an Dunkelheit gewohnten Georgy Phantasien auslöst.

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In einem Bilderwirbel - zur damaligen Zeit eine Meisterleistung der Filmtechnik - vermischen sich die Vergnügungen des Amüsierviertels "Yoshiwara" - das kindliche Vergnügen (Ballons) mit der käuflichen Freude (küssende Paare, mondäne Frauen) und ...

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... dem luxuriösen Wohlgefühl der Nachtklubs (Musik, Roulette). Als Arbeiter hat Georgy keine Vorstellung von diesen Dingen - er hat sie noch nie gesehen. Berauscht von der Phantasie, steckt er den Zettel wieder ein und weist den Fahrer an, das Amüsierviertel aufzusuchen.

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Auch diese Szene ist neu: "Der Schmale", ein Spion Fredersens, beobachtet die aus der Sicht des Herrschers unheilvolle Kollaboration von Freder, Georgy und Josaphat. Später wird er Georgy den Zettel abnehmen und damit ein symbolisches Werkzeug in die Hand bekommen, um das Bündnis zu zerschlagen.

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Drei verschiedene Fassungen hat es von "Metropolis" gegeben: Eins für das deutsche Publikum, eins für die Amerikaner, eins für den Rest der Welt. Die Vorstellung, es könne eine Originalfassung von diesem Film geben, ist damit hinfällig. Die neu rekonstruierte Version markiert jedoch das Ende der Geschichte dieses Filmes - und nach Jahren der Suche und einer Menge mühseliger Handarbeit ist es wohl ein Happyend.

Foto: Belleville-Verlag/oH (sueddeutsche.de/mikö/ehr/bgr)

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