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Bauhausjubiläum:Der Fluch der Schuhschachtel: Das ist Bauhaus.

Der Mangel an Farb-Fantasie, also die ermüdend bemühte weiße Putzfarbe, die am Äquator sinnvoller ist als in Deutschland, ist auch nicht "typisch Bauhaus". Typisch für das Bauhaus war der raffiniert durchkomponierte Einsatz von Farbe, die nicht bunt, sondern farbig war. Und sind das Weglassen von Schmuckelementen, der Verzicht auf Repräsentation sowie die Ignoranz gegenüber bautypologischen Fragen so etwas wie Bauhaus? Nein, es ist nur billiger in der Herstellung von Lebensräumen, die nicht Bauhaus, sondern trostlos sind.

Der Fluch der Schuhschachtel: Das ist Bauhaus.

Eigentlich verdanken wir ihm nur noch den überteuerten "Design-Klassiker", worunter zum Beispiel die Bauhaus-Leuchte zu verstehen ist, entworfen von 1923 an in der Metallwerkstatt. Die Leuchte aus vernickeltem Metall und Jenaer Schottglas sollte extrem billig, einfach, robust sein. Ein Massenprodukt für Menschen, die sich teures Licht nicht leisten können. Heute kostet die Leuchte vierhundert Euro und steht in Haushalten von Leuten, die sich einen guten Geschmack in betonter Kenntnis der Moderne leisten können. Aus dem Sparprogramm, denn das Bauhaus war auch eine sozialistische Idee, wurde so ein Wettrüsten der heute konservativen Stil-Elite. Aus dem neuen Menschen wurde: ein Design-Konsument, der dem Neuen zugeneigt wäre - wäre das Neue nicht in Wahrheit alt.

Was ist übrig von der Sehnsucht nach einer besseren Welt?

Fast auf den Tag genau 90 Jahre nach dem Umzug des Bauhauses von Weimar nach Dessau, wo das mechanistisch-industrielle Weltbild der Bauhaus-Ideologie nach den noch kunstgewerblich orientierten Weimarer Jahren in der Nachfolge Henry van de Veldes perfektioniert wurde, muss man die Frage stellen, was abseits der Marke und der durchaus respektablen Bauhaus-Kulturinstitutionen von Dessau bis Tel Aviv übrig geblieben ist von der Sehnsucht nach einer besseren Welt.

Die Lilienblum-Strasse in Tel Aviv: Ein Bauhaus-Gebäude in der Dämmerung.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Ist es die "Bauhaus-Brille von Le Corbusier", der weder am Bauhaus lehrte noch lernte, die man im Gesicht tragen kann wie ein Glaubensbekenntnis? Oder ist es die "Bauhaus-Uhr" (Swiss technology, "reduziertes Design gemäß Bauhaus-Ästhetik")? Man kann aber auch einen "Design 2.0"-Kurs in Berlin belegen, wo "der Frage nachgegangen wird, inwiefern das Bauhaus-Denken für zeitgemäßes Social Media Design relevant ist". Neue Menschen sind immer relevant.

Die dazugehörige neue Welt wollte man sich am Bauhaus mithilfe der Künste erschaffen - als "kristallenes Sinnbild eines neuen kommenden Glaubens" (Gropius). Das Bauhaus heute ist auch das Elend von Geschäftemacherei und Bedeutungsschinderei - sowie die Hölle einer missverstandenen Ästhetik. Bauhaus ist wie Apple (dort sieht man sich nicht zufällig in der "Bauhaus-Design-Tradition") vor allem ein Fetisch. Für ein esoterisch angehauchtes, politisch irrlichterndes Konstrukt, das es eigentlich nur 14 Jahre gegeben hat, nämlich von der Gründung durch den charismatischen Architekten und Menschenverführer Walter Gropius, in Weimar 1919, bis zur Schließung durch die von ihrer Blut-und-Boden-Architektur besoffenen Nazis, 1933, in Berlin - das ist enorm.

Der Baumeister als "Rivale des Schöpfers"

Die Forderung des im 18. Jahrhundert lebenden "Revolutions"-Architekten Claude-Nicolas Ledoux, wonach der Baumeister ein "Rivale des Schöpfers" sei, wurde nirgendwo so kompromisslos umgesetzt wie am Bauhaus. Dort erfand man dementsprechend auch die "Stunde null".

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Tom Wolfe schreibt in seinem herrlich bösen Buch "From Bauhaus to our house": ",Bei null anfangen'. Diese Redensart hörte man ständig. Gropius unterstützte jedes Experiment, solange es im Namen einer sauberen und reinen Zukunft geschah ( . . . ) Es gab eine Phase, da bestand die Bauhaus-Diät ausschließlich aus einem Mus von rohem Gemüse. Das Mus war so schlaff, dass man Knoblauch beigeben musste, um irgendeinen Geschmack zu erzielen."

Die damalige Ehefrau des Bauhaus-Gründungsdirektors Gropius, Alma Mahler, sagte einmal, es sei ein Irrtum, gläserne Ecken, die Farbe Weiß oder Flachdächer als Merkmale des Bauhaus-Stils zu beschreiben - das unvergesslichste Bauhaus-Charakteristikum sei es gewesen, "wenn jemand nach Knoblauch aus dem Hals stank".