Autoren gegen Überwachung im Netz Die Kanzlerin hat nicht reagiert

Was sie sagen und was sie schreiben, das ist für Schriftsteller und Autoren per se ein so wichtiges Gut, dass sie es verteidigen müssen, wollen sie sich selbst und ihren Job ernst nehmen. Das geschriebene Wort, ob im Netz oder im Buch, ist für diese Berufsgruppe von Berufenen existenziell. Deshalb ist die Aktion breiter angelegt als die Proteste, die jüngst von Internetfirmen veröffentlicht wurden.

Juli Zeh berichtet in dem Interview: "Wir wollten den Aufruf und die Unterschriften ja an einem einzigen Tag veröffentlichen, deswegen mussten wir das im Verborgenen vorbereiten. Es war gar nicht möglich, auf flächendeckende Netzwerke zuzugreifen - die Gefahr eines Lecks war einfach zu groß. Wir haben erst befreundete Autoren gefragt und die gebeten, weitere Freunde zu fragen. Wir sind auch auf deutsche Verlage zugegangen, die internationale Autoren im Haus haben, darüber kamen Agenturen ins Spiel. Auch Übersetzer haben sehr geholfen. Und so kam der Schneeball ins Rollen."

Es braucht Zeit

Absagen habe es nur wenige gegeben - unter anderem mit dem Tenor, dass es Privatheit im 21. Jahrhundert nicht mehr gebe und es nichts bringe, sich dagegen zu wehren.

Nachdem ein offener Brief an Kanzlerin Angela Merkel im Juli unbeantwortet blieb, fordern die Autoren nun alle Bürger zur Unterschrift auf - um die Demokratie im digitalen Zeitalter zu verteidigen.

Ilija Trojanow, der zuletzt an der Einreise in die USA gehindert wurde, erklärt: "Es ist wie bei allen technologischen Entwicklungen: Wenn man nicht vom Fach ist, braucht es Zeit, bis man begreift, was passiert, und die schädlichen Folgen erkennt. Es ist selbstverständlich, dass wir jene Freiheitsrechte, die wir in einem jahrhundertelangen Kampf in einer analogen Welt erfochten haben, jetzt auf die digitale Welt übertragen. Das ist eigentlich banal. Die spannende Frage ist, warum das nicht generell akzeptiert und umgesetzt wird."