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Ausstellung:Wen die Muse mehrmals küsst

25 Jahre lang arbeitete Toshio Kusaba an dem Bild, das im Hintergrund zu sehen ist. Nun ist es fertig. Einen Namen hat es nicht, ein Thema auch nicht, vielleicht, meint Kusaba, könnte man darin Lebewesen nach Ende der Zivilisation sehen.

(Foto: Stephan Rumpf)

Toshio Kusaba ist Maler, Musiker, Koch, Schauspieler, Veranstalter, Fashionist und Münchner. Nun hat er sich eine Ausstellung im Köşk gewidmet

Hier in Bayern, München, müssen wir mit Gemütlichkeit umgehen. Und Gemütlichkeit...das ist Arbeit. Gemütlichkeit heißt nicht, dass du an der Bierleitung hockst und Bier trinkst." Das ist kein Zitat von Valentin oder Achternbusch, die sich oft an den Härten des bayerischen Lebens abgearbeitet haben. Der Satz stammt von Toshio Kusaba. Auch er ist Bayer, Münchner, und das seit 34 Jahren. Und genauso wie Valentin und Achternbusch darf man den 54-Jährigen ein Multitalent nennen. Er ist Maler, Musiker, Koch, Performer, Schauspieler, Synchronsprecher, Übersetzer, Veranstalter und Fashionist.

In einigen dieser Rollen ist er nun in einer Ausstellung im Köşk zu erleben. "Toshi damals...und heute" heißt sie und zeigt Bilder und Videos von Kusaba. Den Anstoß für die Ausstellung gab ein Bild, das er nach 25 Jahren fertig gestellt hat. Das klingt auch fast wie eine Valentinade, aber wer in den letzten Jahren in seinem Atelier war, konnte das 1,75 mal 1,65 Meter große, abstrakte Gemälde dort hängen sehen. Das Atelier, ein kleiner Raum mit Zeichentisch, einem Fenster, Kisten, Farben, Spraydosen, Büchern, Papier, befindet sich seit zehn Jahren in der Damenstiftstraße hinter der Favoritbar. In Toshis Reich gelangt man durch eine Tür neben der Theke, einen langen Gang, in dem Getränkekisten stehen. Oder alternativ auch durch den Hinterhof.

Am Tag des Gesprächs stapeln sich dort auch noch die für die Ausstellung gemachten "Lift It Up"-Bilder, die sich auf bei Gutfeelings erschienene Schellack-Kompilationen beziehen. Kusaba hatte den Herausgebern vor Jahren alte japanische Schellackplatten geschenkt, von denen es ein Lied auf die dritte Kompilation geschafft hat. Die quadratischen Bilder greifen die Schallplattenoptik auf und ergänzen diese durch ornamentale, organische Strukturen. "Orgamentus" nennt Kusaba seinen Stil, der auf sein Kunststudium in Stuttgart in den 80ern zurückgeht. In Deutschland ist er 1982 gelandet, nachdem er bereits in Japan Kunst studiert hatte. Geboren wurde er in der ehemaligen Industriestadt Kitakyūshū, die das ursprüngliche Ziel für die Atombombe "Fat Man" war. Nur wegen schlechten Wetters ging diese auf Nagasaki herunter. Ansonsten, sagt er, wäre er wohl nicht hier.

Auch mit Schmuck, Gips, Siebdruck und Porzellantellern hat Kusaba über die Jahre gearbeitet, und jeder, der ein Werk von ihm besitzt, ist eingeladen, zur Vernissage zu kommen und dieses dort selbst aufzuhängen. Die meisten Besitzer, das sind Freunde. Denn den üblichen Kunstbetrieb will er "nicht mitmachen" und verdient sein Geld lieber in der Gastronomie. 1996 hat er mit Ferdl Schuster das Lokal Nomiya eröffnet, wo er aber heute nicht mehr arbeitet. Er hat in Kurzfilmen (zum Beispiel von Rainer Kaufmann) und Werbefilmen (unter anderem für Sauerkraut) mitgespielt und Figuren in der Serie "The Man in the High Castle" und in Martin Scorseses Film "Silence" synchronisiert. Und er macht Musik.

1999 gründete er mit Freunden die Trashpop-Band Tokyo Pikadons und seit 2010 singt er in der bayerisch-japanischen Rumpel-Blues-Band Sasebo. Mit dieser tritt er bei der Vernissage auf, danach spielen im Köşk täglich befreundete Musiker und Bands wie G.Rag oder die Hochzeitskapelle, von denen er die meisten in der Favoritbar kennengelernt hat. Das ist auch einer der Gründe, warum er es seit Jahren im doch "sehr brav" gewordenen München aushält. Ein anderer ist der, dass es hier "Verrückte", im positiven Sinn, wie eben Karl Valentin gegeben hat. Die es, wie Kusaba meint, auch nur hier geben kann (und nicht in Berlin) und unbedingt auch braucht. Zu denen darf man ohne Zweifel auch Kusaba selbst zählen.

Toshi damals...und heute, Eröffnung am Dienstag, 12. November, 18 Uhr, Ausstellung bis 17. November, Köşk, Schrenkstr. 8