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Ausstellung:Bilder einer kleinen Welt

Janosch

1960 veröffentlichte Janosch "Der Josa mit der Zauberfiedel" - die Geschichte über den Jungen, der mit seinem Instrument und einer Melodie seine Zuhörer verkleinern und vergrößern kann.

(Foto: Archiv Janosch film & medien AG)

Das Buchheim-Museum zeigt Aquarelle, Zeichnungen und Filme von Horst Eckert alias Janosch und richtet sich an Erwachsene und Kinder

Im ersten Moment wirkt der große Raum im Buchheim-Museum wie ein Spielplatz. Bestimmt ein Dutzend Bobbycar-große Tigerenten stehen dort herum, aufgestellt für Kleinkinder, die sich auf ihren Rücken schwingen und herumrollen können. Sitzkissen liegen verteilt vor den Wänden, die in kräftigem Blau, Grün und Gelb gestrichen sind. Und sogar ein schmuckes, weißes Häuschen als kleiner Rückzugsort wurde aufgebaut. Rundum sind die Aquarelle des Autors und Illustrators Janosch gehängt, allerdings auf Erwachsenenhöhe. An mehreren Bildschirmen laufen Janosch-Filme. In einer Ecke stehen kindsgroß Tiger, Bär und Tigerente neben einem Ruderboot, flankiert vom Schild "Bitte nicht anfassen oder hinsetzen". Und auch ein schönes gemütliches Sofa mit Flicken lässt sich finden. Es ist mit einer Kordel abgehängt, anschauen erlaubt, mehr nicht. Es ist eben nicht alles ein Spielplatz, was danach aussieht.

"Janosch und seine glücklichen Kinder" heißt die kleine Ausstellung, die mit einiger Hingabe in Bernried eingerichtet worden ist. Sie soll sich sowohl an Kinder als auch an Erwachsene richten, ist also eine Art Mittelding, weder entschieden das eine noch das andere. Strukturell teilt sie sich in zwei Themengebiete: Der erste Teil umfasst eine Retrospektive des 1931 geborenen Horst Eckert alias Janosch, 130 Aquarelle und Zeichnungen aus 60 Jahren gehören dazu mit den Figuren aus den allseits bekannten Kinderbüchern - vom Pferd Valek bis zu Kaspar Mütze. Teil zwei widmet sich der Entstehung der Janosch-Filme. Das kommt nicht von Ungefähr, denn initiiert und - gemeinsam mit Museumsleiter Daniel J. Schreiber - kuratiert hat Irina Probost die Schau, sie ist die Produzentin der Filme fürs Kino und Fernsehen.

Gerade Teil zwei zieht Kinder magisch an, laufen hier doch auf mehreren Bildschirmen die Filme - wie übrigens auch in einem eigenen Saal auf Großleinwand "Oh, wie schön ist Panama" zu sehen ist. Im Ausstellungsraum sind um die Bildschirme herum die Aquarelle arrangiert, die als Hintergrundbilder für die Filme dienten. Ein kleiner Teil freilich nur, allein für den Panama-Film wurden um die 1800 Bilder gemalt, erfährt man aus dem Katalog - oder eben vom Audioguide. Sich einen solchen auszuleihen, macht in jedem Fall Sinn, hilft er doch, aus dem Dilemma zu kommen, die Hintergrundbilder zu sehen, mit ihnen aber nicht recht viel anfangen zu können. Museumsleiter Schreiber und Kuratorin Probost sind auf dem Audioguide im Gespräch über die Filme zu hören. So erfährt man, wann und wie die Filme entstanden, dass beispielsweise "Oh, wie schön ist Panama" dreieinhalb Jahre lang produziert wurde und ungefähr 450 Menschen daran beteiligt waren.

Auch Kinder profitieren von dem Audioguide, spendiert er ihnen doch nicht nur den Ton zu den Filmen, sondern belebt für sie auch die anderen Bilder. Zwei Kinder, Sissi und Jon, haben ihn zusätzlich zu den Erwachsenen besprochen und erzählen beispielsweise aus dem Bilderbuch und von dem Film "Oh, wie schön ist Panama". Zudem hat Schreiber zu einigen Bilderbuch-Illustrationen die Geschichte zusammengefasst. Für die Kleinen wird die Reihe der 130 Aquarelle dann in Teilen zu einem riesigen Bilderbuch, zu dem sie allerdings aufschauen müssen.

Für Janosch-Fans und Film-Interessierte hält die Ausstellung in Bernried also ein paar Schmuckstücke bereit. Die Schau schreibt die Geschichte des Schriftstellers und Illustrators indes nicht kritisch oder neu. Sie präsentiert einen Kinderbuchautoren für Erwachsene - der Romanautor spielt in Bernried keine Rolle - und setzt dessen Figuren für Kinder in Bewegung, sei es in den Filmen oder als Rollfahrzeuge wie die Bobbycar-großen Tigerenten.

Janosch und seine glücklichen Kinder, bis 3. November, Buchheim-Museum, Bernried