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Asterix Comics:Meister der Bewegung

Asterix  Der Papyrus des Cäsar Egmont Comic

Asterix-Comic: "Der Papyrus des Cäsar Egmont".

(Foto: 2015 Les Editions Albert René)

Alles wird in den Asterix-Comics so leichthändig aufs Papier geworfen wie durch die Luft geschossene Legionäre. Was Albert Uderzo tut, ist eine Hommage an die Zeichenkunst.

Jeder gute Maler stößt irgendwann an Grenzen: an die des Bilderrahmens oder, wenn er eine Wandfläche freskiert, an die Decke. Die Kunstgeschichte kennt Tricks, diese Grenzen zu sprengen und vom Bild- in den Betrachterraum vorzudringen. Figuren rücken dem Publikum dann mit Blicken, Fingerzeigen oder Fußtritten nahe; illusionistische Malerei tut so, als sei gäbe es im blickdichten Mauerwerk Fenster, Geländer und Himmelsausblicke.

Auch Albert Uderzo macht diese Entwicklung durch. Sein erster Asterixband ist noch recht konventionell gezeichnet, Bild um Bild verprügeln die Gallier ihre Römer, bis sie schließlich auf den Sieg beim Wildschweinbraten anstoßen. Was könnte ihnen schon passieren, außer dass ihnen der Himmel auf den Kopf fällt? Je expansiver aber die Reisen der Gallier werden, je wissbegieriger sie Belgien, Ägypten, Britannien, Rom erkunden, desto raumgreifender werden auch die Figuren. Es gibt zwar noch die weißen Streifen zwischen den Bildern, aber Uderzo nutzt sie nun, um seinen Helden Beine zu machen und die Geschichte voranzutreiben. Wie in einem Daumenkino erfasst der Zeichner Bewegungen in Bilderreihen; Obelix stampft in seiner Streifenhose über die Seiten, Römer fliegen von einem Bild zum nächsten, Landschaften erschließen sich im Panoramablick in einer ganzen Serie Kästchen.

Er kennt sich im Museum und im Kino gleichermaßen aus

Im Band zum "Avernerschild" streiten Asterix und Obelix ums Essen. Obelix wirft dem Freund Arroganz vor, dieser schimpft ihn einen "Durchschnittsgallier". Dann schmollen sie, nur noch das Hündchen Idefix kommuniziert mit beiden - und führt sie schließlich wieder zusammen. Die sich anbahnende Versöhnung zeigt Uderzo in zwei sich ergänzenden Kästchen (unsere Abbildung), bevor die Protagonisten einander mit schwingenden Helmen um den Hals fallen. Uderzo vermengt stilistische Mittel aus der Kunstgeschichte und aus der Karikatur, er kennt sich im Museum und im Kino gleichermaßen aus. So unterfordert er niemanden - ohne irgendjemanden zu überfordern.

Uderzos Kleopatra, bewundert für ihren Mut und ihre Nase, mäkelt an ihrem in Stein gehauenen Profilbildnis herum und schmeißt sich schon einmal wie die "Mona Lisa" in Pose - es kann ja nicht sein, dass erst da Vinci das nach vorne gewandte Damenbildnis erfindet, Uderzo war schon vor ihm da. Es gibt Anspielungen auf Théodore Géricault (die Schiffbrüchigen), auf Laokoon (Asterix verheddert sich auf dem Sklavenmarkt in Seilen) und Pieter Bruegel (die Bauernhochzeit als belgisches Festmahl).

Nichts davon ist bildungsbeflissen, alles wird so leichthändig aufs Papier geworfen wie durch die Luft geschossene Legionäre. Uderzo klaut den Altmeistern ihre Bildwitze, braut sie zusammen mit ein paar Kinderscherzen, Misteln, Himbeeren und was man sonst noch alles für einen saftigen Zaubertrank braucht. Und manchmal bedient er sich auch bei der ästhetischen Moderne: Im dichten nordischen Nebel der "Großen Überfahrt" verschwinden die Bilder ganz und aus dem abstrakten, in Kästchen gegliederten Weiß starren - "Jaul! Jaul!" - die Sprechblasen. Alles, was Uderzo tut, ist eine Hommage an die Zeichenkunst.

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