Architektur:Für Mandrup ist Architektur ein Gemeinschaftsprojekt

Keine Entsprechung gibt es tatsächlich für ihre Bauten. Die Dänin hat in Ribe ein pfeilschnelles Wattenmeer-Zentrum gebaut, das es mit der Schönheit der dänischen Meereslandschaft dort aufnimmt. Sie hat in Kopenhagen Kindergärten entworfen, deren Dachlandschaften fröhlich in den Himmel zacken und einen Discounter mit Wohnungen und einer futuristischen Sporthalle gekrönt. Einen Flugzeughangar verwandelte Mandrup in ein lichtes Büro für ein Start-up und zwar derart flexibel, dass heute eine Architekturschule darin Platz findet. Und den Veranstaltungssaal eines Gemeindezentrums setzte die Architektin so auf dünne Säulen, dass es aussieht, als würde dieser tanzen.

Architektur: Der Luftschutzbunker in Wilhelmshaven soll ein Wattenmeerzentrum werden.

Der Luftschutzbunker in Wilhelmshaven soll ein Wattenmeerzentrum werden.

(Foto: MIR)

"Jeder Ort hat etwas Einzigartiges. Es geht darum herauszufinden, was das ist", erklärt Mandrup die Vielfalt in ihrem Werk. Doch wer sich ihre Gebäude genauer anguckt, merkt schnell, dass ihre Arbeit mehr ist als nur das konsequente Auseinandersetzen mit einem Ort. Mandrups Entwürfe sind außergewöhnlich, ohne effekthascherisch sein zu wollen. Skulptural, ohne die Funktion dabei zu vergessen. Was damit zu tun haben könnte, dass Dorte Mandrup nach der Schule erst Bildhauerin werden wollte und dann ein Jahr lang Medizin studierte, bevor sie zur Architektur wechselte. In gewisser Weise macht sie heute beides: Die Baumeisterin versucht, soziale Probleme zu lösen. Denn egal ob bei öffentlichen oder privaten Projekten denkt sie daran, was ihr Bau der Stadt und den Bewohnern bieten kann. Mandrup sieht darin übrigens den Einfluss Kopenhagens, weil hier auf die Gestaltung der öffentlichen Räume großen Wert gelegt wird. Die Architektin arbeitet aber auch bewusst künstlerisch. Mit Licht und klaren Formen, die keine Angst vor großen Strukturen haben. Bis sie bei einem Projekt mit der Gestaltung zufrieden ist, stapeln sich die Prototypen. Mandrup will sich nicht zu früh festlegen. Vor allem aber will sie der künstlerischen Forderung an sich gerecht werden. "Es hat etwas gedauert, bis ich meinen eigenen Anspruch an die Form akzeptiert habe."

Genau der dürfte es sein, der Dorte Mandrup zu einer der besten Architekten Dänemarks werden ließ. Und der sie prädestiniert, an spektakulären Orten so zu bauen, dass die Architektur zwar für sich stehen kann, aber nicht zwanghaft alles andere übertrumpfen will. Das Wattenmeer-Zentrum ist ein Beispiel dafür, ihr Eisfjord-Informationszentrum an der felsigen Westküste Grönlands ein anderes. Der Entwurf aus Holz und Stahl gleicht einer Startrampe für staunende Blicke raus zum Eismeer und seinen Gletschern. Zugleich lässt er die tiefe Bewunderung für eine Bevölkerung erahnen, die den arktischen Temperaturen von bis zu minus 40 Grad trotzt.

Architektur: Das Gemeindezentrum mit dem Veranstaltungssaal auf Säulen steht in Kopenhagen.

Das Gemeindezentrum mit dem Veranstaltungssaal auf Säulen steht in Kopenhagen.

(Foto: Jens Markus Lindhe)

Ähnlich unzugänglich wirkt auf den ersten Blick die Ausgangssituation für Dorte Mandrups erstes Projekt in Deutschland, das nun realisiert wird. Einen ehemaligen Luftschutzbunker in Wilhelmshaven baut die Architektin in ein internationales Zentrum für das Weltnaturerbe Wattenmeer um. "Der Bunker ist wie ein Berg", sagt die Dänin. Und eines der ganz wenigen Relikte, die noch vom Zweiten Weltkrieg erzählen. Die Architektin will mit ihrem Entwurf die Geschichte nicht verstecken, aber das Gefühl an dem Ort doch verändern. Dafür wird sie eine gläserne Hülle über den historischen Sockel stülpen, was ihn sowohl ausstellt als auch überragt und damit Platz für etwas Neues schafft. Eine typische Mandrup könnte man sagen, kraftvoll und sensibel zu gleich.

Was ebenfalls charakteristisch für die Architektin ist: Sie spricht immer von einem Wir, wenn sie von ihrer Arbeit spricht. Männliche Stars ihrer Branche tun das nicht. Darauf angesprochen, sagt Mandrup: "Der künstlerische Part hängt vielleicht von mir ab, aber es braucht so viele weitere Fähigkeiten, um ein Haus zu bauen." Es gibt also doch einen Unterschied, wie Frauen und Männer Architektur machen. Nicht in der Form, sondern in der Art, wie sie das tun. Gemeinschaftlich.

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