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70. Geburtstag von Arnold Schwarzenegger:Die väterliche Liebe des Terminators als Utopie der idealen Liebe

Dass James Cameron beschloss, den Terminator im zweiten Teil diese Liebe erwidern zu lassen, war ein Geniestreich. Der umprogrammierte Kampfroboter sollte nun auf den kleinen John Connor aufpassen, statt ihn zu "terminieren". Als der Junge weint, fragt der Terminator, was mit seinen Augen los sei. Es liegt kein Trost in der Frage, aber auch kein Männer-weinen-nicht-Vorwurf, sondern eine hundertprozentige Sorge um das Schutzobjekt, auch wenn sie rein technisch ist. An einer Stelle beobachtet seine Mutter die beiden, wie John ihm High fives beibringt. Sie begreift: "Der Terminator würde niemals aufhören. Er würde ihn nie verlassen. Und er würde ihm niemals wehtun, ihn niemals anbrüllen oder sich betrinken und ihn schlagen oder behaupten, er sei zu beschäftigt und hätte keine Zeit für ihn." Die väterliche Liebe des Terminators ist zwar eine Projektion, aber ist das nicht die Utopie der idealen Liebe, in die niemals der Egoismus des Gegenübers hereinbricht?

Auch Schwarzenegger selbst scheint irgendwann den Übergang vom ersten zum zweiten "Terminator"-Teil gemacht zu haben. Bekannte aus jungen Jahren berichten von seiner irritierend kalten Zielstrebigkeit. Bodybuilding, mit mechanischen Muskelbewegungen den Widerstand des Fleisches überwinden, hat etwas mit Roboter-Werdung zu tun. Diese an seinem Körper ausgeprägte Beharrlichkeit trug er 2003 in die Politik. Sein nächstes Trainingsziel war, Gouverneur von Kalifornien zu werden, dieses flirrenden Stück Lands, das Grenzverschieber und "self-made men" wie ihn schon immer angezogen hat. Er trat an mit Sprüchen, bei denen man sich bisweilen nicht ganz sicher war, ob es sich um ein Zitat aus einem seiner Filme handelte. Die zerstrittenen Parlamentarier in Sacramento bezeichnete er als "Weicheier" und versprach das Haushaltsdefizit zu "zerstören".

Die Kalifornier wählten ihn zweimal hintereinander zum "Gouvernator"

Als handwerkliches Symbol hielt er dabei einen Besen in die Kameras. Die Botschaft: Etwas ist faul im Staate Kalifornien und einer muss hier mal durchfegen. Schwarzenegger allerdings wusste, wann er vom "Terminator" auf den "Kindergarten Cop" umzuschalten hatte. In der Komödie von 1990 durfte der Muskelberg angesichts einer Bande plärrender Kinder erstmals heillos überfordert, regelrecht putzig wirken. Die Kalifornier liebten diese Mischung aus Großspurigkeit und sonnengebräunter Selbstironie. Sie wählten ihn zwei Amtszeiten hintereinander zum "Gouvernator".

Zuletzt sprach er in einem Youtube-Video davon, wie grüne Technologie die Wirtschaft seines Bundesstaats "aufgepumpt" habe - anstatt sie, wie sein republikanischer Parteikollege Donald Trump behauptet, zu ruinieren. Er klingt dabei immer noch wie die alte Kampfmaschine, mit seinem ungeschlachten steirischen Akzent, aber jemand hat ihn für die Rettung des Planeten umprogrammiert. Am Ende von "Terminator 2" redet John Connors Mutter über Hoffnung: "Wenn eine Maschine, ein Terminator, den Wert des Lebens schätzen lernen kann, dann können wir es vielleicht auch." Am Sonntag wird der große Weltverbesserer Arnold Schwarzenegger siebzig Jahre alt.

© SZ vom 29.07.2017/khil
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