64. Filmfestival Cannes Unter Hausarrest

Der Österreicher Markus Schleinzer gehört zu den wenigen Filmemachern, die auch ohne Referenzen in Cannes mitmachen dürfen - sein Regiedebüt "Michael" läuft im Wettbewerb. Schleinzer ist 39 Jahre alt und hat vorher als Schauspieler und vor allem als Casting-Director gearbeitet. In diesem Job hatte er dann doch schon mit Cannes zu tun - seit mehr als einem Jahrzehnt kümmert er sich um die Besetzung von Michael Hanekes Filmen, auch um "Das weiße Band", der vor zwei Jahren die Palme gewann.

In seinem neuen Film skizziert Jafar Panahi die staatlichen Schikanen, denen er sich in seiner Heimat Iran ausgesetzt sieht. Er heißt In Film Nist (This is not a Film) und wird in Cannes zu sehen sein.

(Foto: AFP)

In "Michael" geht es um einen Pädophilen - und wenn Schleinzer die Maßstäbe erfüllt, die die Österreicher Haneke und Ulrich Seidl im Wettbewerb in Cannes gesetzt haben, die beide auf ganz unterschiedliche Art sehr drastisch von Gewalt und Verrohung erzählen, könnte einem da schon das eine oder andere Mal der Atem stocken. Aber auf Schock-Effekte hat Cannes sich schon immer verstanden, mancher Film war hier doch eine Herausforderung fürs Publikum.

So viel zum Mut der Festivalmacher. Wenn in Cannes dieses Jahr die neuen Filme des zu sechs Jahren Haft verurteilten iranischen Regisseurs Jafar Panahi und des ebenfalls verurteilten Mohammad Rasoulof laufen - dann beweisen die beiden Filmemacher mit ihrer Widersetzlichkeit selbst einigen Mut. Sie versuchen zwar beide in Berufung zu gehen, aber einstweilen stehen sie unter Hausarrest und sind zudem verurteilt zu zwanzig Jahren Berufsverbot.

Panahi, einer der bekanntesten iranischen Filmemacher, dessen Verurteilung schon bei der Berlinale ein großes Thema war, scheint einigen Galgenhumor zu besitzen: "Ceci n'est pas un film/Dies ist kein Film" hat er sein Werk genannt, in Anlehnung an Magrittes Pfeife, die keine ist. Und darüber, was genau denn nun ein Film ist, kann man sowieso streiten - was Panahi da nach Cannes hat bringen lassen, ist genaugenommen eine Datei auf einem USB-Stick.

Gezeigt wird, was da drauf ist, in Cannes trotzdem - und bis dahin gibt es vielleicht auch irgendeine Erklärung dafür, wie er es geschafft hat, überhaupt zu drehen.

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