Sprachlabor:Vom Eindämmen ...

Sprachlabor: SZ-Zeichnung: Luis Murschetz

SZ-Zeichnung: Luis Murschetz

(Foto: Luis Murschetz (Illustration))

... und davon, dass auch Hündinnen Hunde sind.

DASS DAS EINDÄMMEN, wasserbaulich gesehen, eine anerkannte Technik ist, wird niemand bestreiten. Was unseren Leser v. H. aber umtreibt, ist die Verwendung des Verbs eindämmen im Zusammenhang mit Menschen, besonders mit Migranten, weil hierbei suggeriert werde, "dass Migration grundsätzlich etwas Schlechtes ist". Eine überschlägige Archiv- und Gewissenserforschung kam zu dem Ergebnis, dass bei uns alles Mögliche eingedämmt wird: die explodierenden Mieten, die Inflation, der Flächenfraß, die Risiken der KI, die Leiharbeit, der Einfluss Chinas in Vietnam und noch vieles andere. Auch im Zusammenhang mit der Migration kommt das Wort eindämmen häufig vor, ist dabei aber so gut wie immer auf Auswüchse gemünzt: auf die illegale Migration und die Schlepperkriminalität. Womit wir wieder nahe bei der Wasserbaukunst wären, beim Eingrenzen des potenziell nur schwer Kontrollierbaren zum Nutzen aller.

AUF TIERPORTALEN erfährt man, dass Rüden und Hündinnen unterschiedlich "ticken", dass Rüden zum Beispiel "ein stark territoriales Verhalten zeigen", wohingegen bei läufigen Hündinnen "oft zickiges Verhalten" auftritt. Was ihnen gemeinsam ist: dass sie Hunde sind. Insofern war es, wie Leser F. anmerkt, zwar gut gemeint, aber sachlich verfehlt, "die Riechkompetenz von Hündinnen und Hunden" herauszustreichen. Es war dies ein Genderexzess, auf den verschärftes Biologie-Nachsitzen steht.

DER VERSTAND habe bei ihr ausgesetzt, berichtet Leserin H., und zwar anlässlich dieser Bildunterschrift: "In Deutschland ist die Entscheidung zu Glyphosat einmal mehr kompliziert." Das Foto illustrierte einen Bericht, wonach die EU die Entscheidung über eine neuerliche Zulassung des Unkrautvernichters Glyphosat vertagt hatte. Da Frau H. nichts Näheres über die Gründe für ihre Anwandlung sagt, ist anzunehmen, dass sie Folgendes meint: Wenn die Entscheidung kompliziert ist, dann nicht "in", sondern "für" Deutschland, und des Weiteren ist zu vermuten, dass dies Kompliziertsein dem Land nicht "einmal mehr" widerfährt, sondern auf gut Deutsch "wieder einmal".

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