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USA: Militärakademie West Point:Lieber lesbisch als mundtot

Katherine Miller war eine der besten Studentinnen an der Elite-Militärakademie West Point. Ihre Karriere in der Armee gab sie trotzdem auf - weil sie in der Kaderschmiede nicht sie selbst sein durfte.

Wer hier studiert, wird etwas: West Point ist die Elite-Universität der US Army, das was man gemeinhin eine Kaderschmiede nennt. Aus den ehrwürdigen Gemäuern nördlich von New York gehen Präsidenten, Militärgrößen und Führungspersönlichkeiten hervor. Dwight Eisenhower, 34. Präsident der USA ist ebenso West-Point-Absolvent wie David Petraeus, Kommandierender US-General der Isaf in Afghanistan. Forbes kürte West Point zum besten College in Amerika.

The graduating class at the U.S. Military Academy at West Point stand in attention during the 2010 commencement ceremony at Mitchie Stadium at West Point, New York

Absolventen der US-Militärakademie feiern ihren Abschluss. Katherine Miller wird nicht zu ihnen gehören.

(Foto: Reuters)

Jährlich werden hier etwa 1000 Offiziersanwärter ausgebildet, "intellektuell, körperlich, militärisch, ethisch, spirituell und sozial", wie es auf der Webseite der Universität heißt. Wer hier studieren will, muss zu den Besten gehören, wer einmal drin ist, will nicht wieder weg. Könnte man meinen.

Doch Katherine Miller, eine der Besten ihres Jahrgangs, wollte genau das. Nach zwei Jahren in West Point schrieb die 20-Jährige der Universitätsleitung einen Brief und trat sowohl aus der Akademie als auch aus der Armee aus. Auf ihre Militärkarriere verzichtete sie, weil sie sich nicht länger verstecken wollte. Katherine Miller hatte eine aussichtsreiche Laufbahn vor sich - aber sie ist lesbisch.

In West Point, wie der gesamten amerikanischen Armee bedeutet das, dass sie diesen Teil ihrer Persönlichkeit vor der Öffentlichkeit verbergen muss. Es herrscht das Militärgesetz des "Don't ask, don't tell", festgelegt im Titel 10, Paragraph 654 des Bundesrechts, dem US Code. Angehörige des Militärs dürfen ihre sexuelle Orientierung nicht öffentlich machen, Vorgesetzte nicht danach fragen. Die öffentliche Demonstration der eigenen Homosexualität kann zum Rauswurf aus dem Militär und damit aus der Universität führen, das wusste die junge Soldatin von Anfang an. Sie hat es selbst unterschrieben.

Während sie sich im Uni-Alltag der Geheimhaltungspolitik beugte, um ihren Traumberuf näher zu kommen, bloggte sie unter dem Decknamen "Private Second Class Citizen" anonym über das Leben von homosexuellen Studenten in West Point. "Nach zwei Jahren des Schweigens begreife ich, wie diskriminierend diese Politik ist", schrieb sie im Mai. "'Don't ask, don't tell" hält mich davon ab, enge persönliche Beziehungen zu meinen Kommilitonen aufzubauen, weil ich einen großen Teil meiner Identität vor ihnen geheim halten muss. Es zwingt mich, eine heterosexuelle Beziehungsgeschichte zu erfinden, um kein Misstrauen zu erwecken. [...] Nach dieser erleuchtenden Erfahrung habe ich mein Leben neu ausgerichtet. Ich bekämpfe jetzt Hass und Intoleranz im Inland anstatt Terroristen im Nahen Osten."

Die einzige homosexuelle Studentin in West Point war Katherine Miller ihren Angaben zufolge bei weitem nicht. Eine Verständigung unter den Frauen war stets auch trotz der Geheimhaltungspolitik möglich, wie sie schreibt. Um herauszufinden, ob eine andere Soldatin ebenfalls lesbisch war, stellte man einfach die Frage, ob jemand "zur Familie" gehöre. Und mögliche Freundinnen zu Hause bekamen in West-Point-Gesprächen einfach einen männlichen Spitznamen, wie Miller beschreibt: "Meine Kristin hieß hier nur Kris."

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