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Trumps Büro:Was für ein Schreibtisch, Mr. Trump!

Donald Trump im Interview mit Kai Diekmann

Die "USA"-Kappe darf auf Donald Trumps Schreibtisch nicht fehlen.

(Foto: dpa)

Sein Büro ist voll. Sehr voll. Die Wissenschaft stellt sich in puncto Ordentlichkeit jedoch auf die Seite des künftigen US-Präsidenten.

Von Matthias Kohlmaier

Gleich zu Beginn des Gesprächs fragt der baldige Ex-Bild-Herausgeber Kai Diekmann Donald Trump, ob der etwas typisch Deutsches an sich habe. Die Antwort: "Ich mag Ordnung. Ich mag es, wenn die Dinge ordentlich erledigt werden. Dafür sind die Deutschen ziemlich bekannt."

Große Worte für einen Mann, dessen Büro, das zeigen die während des Interviews entstandenen Fotos, ein ziemlicher Saustall ist. Auf dem Schreibtisch im 26. Stock des New Yorker Trump Tower stapeln sich Zeitschriften, Papiere, Bücher und anderer Krimskrams. Die Wände sind tapeziert mit gerahmten Bildern von Zeitschriftencovern, die den Büroeigentümer zeigen. Und unter dem Tisch stehen Pappkartons, die weiteres Allerlei beinhalten. Sieht ein wenig nach Geschenkpapierrollen aus. Ob Donald Trump selbst Präsente verpackt?

Der Zustand eines Büros sagt eine Menge über seinen Bewohner aus. Oder jedenfalls darüber, was selbiger über sich selbst aussagen möchte. Schreibtische sind Inszenierungen, wie auch die Bilder von Konrad Rufus Müller beweisen, der seit Jahrzehnten Politiker und Promis am Arbeitsplatz fotografiert. Was Mr. Trump damit sagen will? In etwa das: "Hey, schaut her, ich habe ein Menge erlebt und der Größte bin ich sowieso. Und die Leute schenken mir ständig tolles Zeug, und die ganzen Footballhelme - ja, es gibt in Trumps Büro eine Couch voller Sportdevotionalien, Anm. d. Red. - und so weiter platziere ich so, dass jeder Besucher sehen muss, was für ein toller Hecht ich bin! Und wen ich alles kenne! Whoohoo!" Also ungefähr.

Nun ist das mit der Selbstbeweihräucherung natürlich eine kulturelle Sache. Wer in den USA etwas erreicht hat, der darf, soll und will das zeigen - während derlei vermeintliche Prahlerei in Deutschland etwa so angesehen ist wie eine kritische Haltung gegenüber Hundebabys. (Sie sind süß, verdammt, seht das ein!) Aber so ein Büro und insbesondere der Schreibtisch haben ja auch eine Funktion: Dort soll gearbeitet werden. Das dürfte auf Trumps Schreibtisch kompliziert werden, denn dort gibt es kaum ein Plätzchen, wo man auch nur die winzigste Skizze einer Einreisebeschränkung formulieren könnte, ohne einen Zeitschriftenstapel umzustoßen.

Zum Glück gibt es zu jedem Thema wissenschaftliche Beiträge, so auch zur Ordentlichkeit von Büros. Kathleen Vohs von der University of Minnesota nämlich hat etwas herausgefunden, was sehr für Trumps Schreibtisch spricht: Wer in einem vollgemüllten Büro arbeitet, ist kreativer! Zwar hätten ihre Versuche auch gezeigt, sagt die Wissenschaftlerin, dass, wer in einem ordentlichen Raum arbeite, durchaus Dinge erreiche. Jedoch würden solche Menschen dazu tendieren, konventionell an die Aufgaben heranzugehen und eher Sicherheitsentscheidungen zu treffen. "Eine unordentliche Umgebung inspiriert Menschen dazu, sich von traditionellen Sichtweisen zu befreien, was zu frischen Einblicken führen kann", sagt Vohs.

Diese Forschung kann man wenig systemrelevant finden, allerdings: Haben seine Unterstützer Trump nicht gerade deshalb gewählt, weil sie von politischen Traditionen in jedweder Hinsicht die Schnauze voll hatten?

Einer der Versuche, die Kathleen Vohs für ihre Studien durchgeführt hat, ging übrigens so: Probanden, einige in aufgeräumten, andere in unordentlichen Räumen, überlegten sich neue Verwendungsmöglichkeiten für Tischtennisbälle. Man stelle sich die Testperson Donald T. vor (Name anonymisiert wegen Wissenschaft), wie sie zunehmend verzweifelt versucht, die Tischtennisbälle zu einer Mauer aufzutürmen.

© SZ.de/segi
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