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Synchronstimme von Angelina Jolie:"Ich verfolge nicht, welche meiner Schauspielerinnen einen Preis bekommt"

Sie sprechen Angelina Jolie nicht immer?

Es gibt Filme, in denen ich sie nicht synchronisiert habe. Die Tomb-Raider-Serie, zum Beispiel, hat die Kollegin gemacht, die auch die Computerspiele spricht. Generell kann man sagen, dass Castings die Regel sind. Das hat natürlich den Hintergrund, dass die Stimme perfekt zur jeweiligen Rolle passen soll. Aber die Synchronfirmen wollen auch verhindern, dass sich Synchronsprecher, die schon häufiger dieselbe Schauspielerin oder denselben Schauspieler besetzt haben, in Sicherheit wiegen. Denn dann müssten sie sich ja auch die Preise diktieren lassen. Wobei die Konkurrenz nicht so groß ist wie in der Schauspielerei. Ich habe vielleicht fünf Kolleginnen, die für ähnliche Rollen gebucht werden wie ich.

Was haben Sie gedacht, als Angelina Jolie für Durchgeknallt den Oscar bekommen hat? In der deutschen Version haben Sie ihr Ihre Stimme geliehen.

Ich habe mich sehr für sie gefreut - zumal der Film in den deutschen Kinos nicht gut lief. Aber ich sitze nicht nachts vor dem Fernseher und verfolge, welche meiner Schauspielerinnen einen Preis bekommt. Als Rachel Weisz für Der ewige Gärtner einen Oscar gekriegt hat, musste ich erst mal überlegen: Ach ja, stimmt, den hast du ja synchronisiert! Ich habe den Film bis heute nicht gesehen, weil er mich nicht interessiert hat.

Stört es Sie manchmal, dass viele Menschen Ihre Stimme, aber kaum jemand Ihr Gesicht kennt?

Nein. Angelina Jolie dreht alle zwei Jahre einen Film und steht den Rest der Zeit wegen anderer Dinge in der Öffentlichkeit. Darum beneide ich sie nicht. Ein bisschen schade finde ich es allerdings, dass wir Synchronsprecher nicht mal im Abspann eines Filmes auftauchen. Die Wertschätzung für unseren Beruf fehlt.

Dabei gilt die deutsche Synchronisation als eine der besten der Welt.

Ja, das erklärt sich aus der Geschichte heraus. Nach dem Krieg durfte Deutschland im Zuge der Entnazifizierung keine eigenen Filme produzieren. Die Siegermächte, vor allem die USA, haben ihre Kulturgüter importiert. In Westberlin wurde von den Amerikanern dann auch das erste Synchronstudio, die BSG (Berliner Synchron AG), gebaut. Die Russen sind später in Ostberlin nachgezogen, die Engländer waren in Hamburg, und in Köln werden bis heute viele französische Filme synchronisiert. Das Synchronhandwerk hat hierzulande eine lange Tradition und wird entsprechend professionell betrieben. Gleichzeitig trauen wir uns aber kaum, wie in anderen Ländern stimmlich eine eigene Färbung reinzubringen - Dialekte sind tabu.

Viele Menschen finden es furchtbar, die eigene Stimme auf Band zu hören. Was denken Sie, wenn Sie sich selbst hören?

Bevor ich mit dem Synchronisieren angefangen habe, fand ich es auch befremdlich. Heute ist es mir nur noch selten unangenehm. Jetzt zum Beispiel, in der Interview-Situation, wenn ich mich als Person gut präsentieren will. Da denke ich schon mal: Du könntest ein bisschen freundlicher klingen. Beruflich entwickelt man mit der Zeit eine totale Distanz. Ich höre mich gar nicht mehr selber, ich achte nur noch darauf, ob meine Stimme zur Figur auf der Leinwand passt. Man sagt: Wenn die Sprecherin fünf Jahre älter ist als die Schauspielerin, ist es ideal. Mehr als zehn Jahre würde man nicht machen, weil das Denken dann zu unterschiedlich ist.

Das hat Auswirkungen auf die Stimme?

Ja. Ein jüngerer Mensch spricht in der Regel ein bisschen höher und aufgeregter als ein älterer, reiferer. Ich müsste mich zu sehr verstellen, um beispielsweise Scarlett Johansson zu synchronisieren.

Gucken Sie Filme privat lieber in der Originalversion oder auf Deutsch?

Wenn es irgendwie geht, schaue ich sie mir im Original an. Auf Deutsch kann ich ausländische Filme nicht genießen, weil ich ja alle Kollegen kenne. Wenn ich einen synchronisierten Film mit George Clooney gucke, würde ich die ganze Zeit denken: Ach, das ist doch der Detlef (Bierstedt, Anm. d. Red.)!

© SZ.de/jobr/mkoh/tob
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