Sorgentelefon für Studenten Nicht jede Universität ist begeistert

Frank Eckert aber weiß, wo das Büro der Nightline liegt. Er kennt den Verein in Heidelberg und weiß auch, wer in den anderen vier Städten in Deutschland, in denen es ein Studententelefon gibt, hinter der Organisation steckt. Seine Anonymität konnte Eckert aufgeben, weil er aus dem aktiven Telefondienst ausgestiegen ist. Eckert studiert im Moment Physik in Cambridge. Auch dort gibt es ein Nightline-Projekt. Studententelefone sind in England viel stärker verbreitetet. "Da kann man sich Einiges abschauen", sagt er. Den Zuhördienst in Cambridge gibt es schon seit 35 Jahren.

Forschen im Frauen-WC

"Ihr habt mich verdorben"

Neue Ideen sind wichtig für Frank Eckert, denn seit vergangenem Sommer ist er einer der beiden Vorstände des neu gegründeten Stiftungsvereins Förderinitiative Nightlines Deutschland. Das Ziel: ein Netzwerk in deutschen Universitätsstädten. Die fünf Nightlines in Deutschland erreichen bisher 225.000 theoretisch Personen, sagt Eckert - etwas mehr als zehn Prozent aller Studenten. "Eigentlich sollte aber jeder auf eine Beratung in seiner Umgebung zurückgreifen können."

Mit dem Stiftungsverein will Eckert deshalb die Hürden zur Gründung eines neuen Sorgentelefons an Universitäten abbauen. Falls eine Gruppe von Studenten in Zukunft eine Nightline einrichten will, könnte Eckert Berater in die Stadt schicken, die Tipps geben, wie man eine Organisation über ein Semester am Leben erhält. Ein Schulungs-Team könnte Seminare über Telefonseelsorge organisieren. Die Initiative dafür sollte aber zunächst vor Ort entstehen.

Das Alter ist kein Problem

In Köln und Dresden schafften es Studenten in den vergangenen Jahren, neue Nigtlines ins Leben zu rufen. In anderen Städten seien die Vorhaben gescheitert, sagt Eckert. Frankfurt und Bonn hätten Interesse bekundet und in Heidelberg um Unterstützung gebeten. "Oft sind die Leute aber überrascht, wie viel Aufwand hinter einem Telefondienst steckt." Jemand muss neben seinem Studium das Programm organisieren, Dienste einteilen und Mitarbeiter werben. Außerdem geht es nicht ohne Büro und Telefonanlage. Das kostet zwar nicht viel und wird oft von den Studentenwerken gestellt, aber nicht jede Universität ist anfangs von der Idee begeistert.

Frank Eckert war 20 Jahre alt, als er bei der Nightline in Heidelberg anfing. Die Telefondienste fielen ihm nicht immer leicht, vor allem wenn er als Studienanfänger mit einem Langzeitstudenten redete, der überlegte, sein Studium abzubrechen. "Die Dienste waren immer eine Herausforderung", sagt er. Das war es auch, was Sandra Meister reizte, sich bei der Nightline zu engagieren. "Das Alter ist kein Problem", sagt sie. Die Anliegen der Anrufer lägen oft auch gar nicht im universitären Bereich.

Keine Therapeuten

Sehr oft sind es Beziehungsprobleme, wegen derer Studenten die Nummer der Beratung wählen - etwa Streit mit den Eltern, Auseinandersetzungen mit Freunden oder die Einsamkeit in der neuen, fremden Studienstadt. Die Nightliner hören dann vor allem zu. Hin und wieder geben sie Denkanstöße. "Wir sind keine Therapeuten", sagt Meister. Lösungen, die man in einem kurzen Telefonat finden kann, gebe es ohnehin meistens nicht. Die Nightliner hören erst mal zu.