bedeckt München 25°

Finanzidee:Großbritannien plant Akademikersteuer

Wer in Großbritannien seinen Abschluss gemacht hat, muss künftig womöglich ein Leben lang dafür bezahlen. Eine Akademikersteuer könnte die Studiengebühren ersetzen.

Erst wird gelernt, dann gefeiert - und mit dem Diplom kommt schließlich der Steuerbescheid. So könnte es schon bald in Großbritannien geschehen. Akademikern droht dort eine einkommensabhängige Sondersteuer, eine spezielle Graduierten-Last. Die Einnahmen hieraus sollen den finanziell angeschlagenen Universitäten zugutekommen und die bisherige Studiengebühren ersetzen.

Studenten in Großbritannien müssen künftig womöglich keine Studiengebühren mehr zahlen - aber dafür eine eigene Steuer.

(Foto: AP)

Derzeit zahlen Studenten in Großbritannien jährlich 3225 Pfund - umgerechnet etwa 3870 Euro - Studiengebühren, meist vorgestreckt durch staatliche Studienkredite. Wer einmal seinen Abschluss hat, startet mit etwa 20.000 Pfund Schulden ins Berufsleben - und fängt dann erst mal mit der Rückzahlung an.

Großbritanniens liberaldemokratischer Wirtschafts- und Forschungsminister Vince Cable hält dieses Modell für ungerecht. "Grundschullehrer oder Sozialarbeiter zahlen derzeit genauso viel wie ein gutbezahlter Anwalt. Ich denke, die meisten Leute halten das für unfair", sagte er in einem Interview mit der BBC. Seine Vision der neuen Studienfinanzierung sieht deshalb eine Akademikersteuer vor, die vom tatsächlichen Gehalt der Absolventen abhängt.

Die Studiengebühren fielen nach diesem Entwurf weg - und das Zahlen beginnt für Akademiker erst nach dem Abschluss. Wer besser verdient, muss dann tiefer in die Tasche greifen. Von einem Steuersatz von fünf Prozent aufs Einkommen ist derzeit die Rede. Das Geld geht an den Staat, der es direkt an die Universitäten verteilt. Auch wenn das Studium längst vorbei ist - die Steuer bleibt und spült weiterhin Geld in die klammen Universitätskassen.

Genau das kritisieren die Gegner der Akademikersteuer, die in der Sonderlast eine versteckte Erhöhung der Einkommenssteuer sehen. Die Gewerkschaft der Hochschullehrer UCU prophezeite bereits, dass eine Sondersteuer das Gegenteil dessen bewirke, was der Politiker Cable anstrebe. Geringverdiener wie Lehrer oder Sozialabeiter würden in Folge der Steuer im Laufe ihres Lebens mehr als 36.000 Pfund, umgerechnet 43.215 Euro Abgaben zahlen - weit mehr, als ihr Studium je gekostet hat.

Dass die Steuer mehr Geld bringen soll als die derzeitigen Studiengebühren, ist durchaus ein Ziel des Forschungsministers. Die britischen Universitäten seien nach dem jetzigen Modell nicht mehr finanzierbar. Dass die Studenten selbst die Kosten für ihre Ausbildung übernehmen, hält er nur für gerecht, schließlich verdienten sie im Laufe ihres Lebens durchschnittlich 160.000 Pfund mehr als Arbeitnehmer ohne Universitätsabschluss.

Sollte die Akademikersteuer nicht kommen, steht laut Minister Cable eine enorme Erhöhung der Studiengebühren an. Anstatt derzeit 3225 Pfund müssten Studenten dann bis zu 7000 Pfund jährlich zahlen, um das Studiensystem finanzieren zu können. Auch diese Diskussion dürfte im britischen Parlament für Furore sorgen - und nicht gerade zur Beliebtheit der konservativ-liberaldemokratischen Koalition beitragen.

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite