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Schweizer Unternehmen:Karriere und Familie vereinbaren - in der Schweiz Luxus

"Ich glaube, dass der Schweiz ihre konservative Politik zum Nachteil werden kann", sagt Cedric Wermuth, 29, sozialdemokratischer Abgeordneter im Berner Nationalrat. Vor einigen Monaten wurde er das erste Mal Vater. "Gut ausgebildete und sehr gut bezahlte Fachkräfte können sich eine Zeit lang privat organisieren. Für die Mittelklasse aber wird die Schweiz auf längere Sicht weniger attraktiv." Wermuth hat einen Monat unbezahlten Urlaub genommen, als das Kind da war, viele seiner Freunde machen es ähnlich.

"Ich beobachte, dass sich zwei unterschiedliche Arbeitsmärkte entwickeln. Die großen Player, die mit Google, Facebook und Co. um die besten Leute konkurrieren, führen betrieblichen Vaterschaftsurlaub ein und betreiben eine interne Kita. Für die normalen Leute, die in kleinen oder mittleren Unternehmen arbeiten, fehlen diese Angebote. Vor allem auf dem Land." Ein Arbeitsmarkt, zwei Geschwindigkeiten, könnte man sagen. Oder: Karriere und Familie zu vereinbaren, ist in der Schweiz ein Luxus, den sich nur wenige leisten können.

Elin Persson spricht Deutsch, Französisch, Englisch und Schwedisch, sie hat promoviert. "Trotzdem hat es sich für mich nach den Geburten eigentlich nicht mehr gelohnt, arbeiten zu gehen. Ich hatte ein paar Hundert Franken mehr als wenn ich zu Hause geblieben wäre." Persson wirft ärgerlich die Haare zurück. Warum sie es trotzdem gemacht hat? Wer nicht mehr 100 Prozent arbeitet, hat es schwer.

"Bei vielen Freundinnen sehe ich das. Sobald sie Kinder haben, werden sie nicht mehr wahrgenommen, jeder erwartet, dass die Arbeit für sie keine Priorität mehr hat." Sie habe für sich entschieden: Die Kosten einer längeren Reduktion der Arbeitszeit sind, auf das gesamte Leben gerechnet, höher als die Krippenplätze ihrer Söhne.

Der überwiegende Großteil der Väter arbeitet Vollzeit

Andererseits: In der Schweiz leben viele berufstätige Mütter. Das Angebot an Teilzeitstellen ist in vielen Branchen gut - und die Löhne sind so hoch, dass eine 60-Prozent-Stelle oft schon 4000 Franken brutto einbringt. Wenn dann noch eine Großmutter in der Nähe ist, geht die Rechnung für viele Familien auf. Doch wer Teilzeit arbeitet, kommt beruflich kaum weiter.

Eine Studie des Schweizer Bundesamts für Statistik aus dem Jahr 2012 zeigt: In fast der Hälfte der Schweizer Haushalte mit Kindern unter 15 Jahren ist der Vater vollerwerbstätig, die Mutter arbeitet Teilzeit. Dazu kommen 30 Prozent Haushalte, in denen der Vater Vollzeit, die Mutter gar nicht arbeitet. In zehn Prozent der Familien arbeiten beide Vollzeit. Das zeigt: Besonders für Väter gibt es kaum Wahlmöglichkeiten. Wer seine Arbeitszeit reduzieren will, stößt oft auf Unverständnis. In vielen Nachbarländern sind in den vergangenen Jahren Gesetze erlassen worden, die das ändern sollen.

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