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Schulreform im Saarland:Keine Tränen am ersten Schultag

Die Jamaika-Koalition im Saarland will ihre Schulreform umzusetzen. Doch selbst in den eigenen Reihen gibt es Widerstand gegen fünf Jahre Grundschule und verschulten Kindergarten.

Als die Fragen kritisch werden in der Saarbrücker Staatskanzlei, erzählt Peter Müller am Donnerstag einfach aus seiner Familie. Drei Kinder hat der Regierungschef, folglich habe er als Vater drei Einschulungen miterlebt. "Drei mal haben Kinder geweint", berichtet Müller, es sei eben ein ziemlich harter Schritt vom Kindergarten in die Grundschule. "Aber das verliert nun seine Dramatik", verkündet der CDU-Politiker frohgemut. Dann erklärt er weiter die geplante Schulreform an der Saar, die womöglich "Schulgeschichte in Deutschland schreiben" werde.

Schulanfang in Bayern

Kevin hat es in der Schule schwerer als Maximilian - wegen seines Vornamens.

(Foto: dpa)

Nach acht Monaten im Amt wagt sich die erste Jamaika-Koalition der Republik nun an ihr heikelstes Projekt. "Eines der modernsten Schulsysteme" wollen der grüne Bildungsminister Klaus Kessler und Regierungschef Müller dem Saarland in den nächsten Monaten verschaffen, auch wenn es an Kritik nicht mangelt. Der Widerstand ist deutlich, nicht nur von Eltern und Lehrern, auch aus der eigenen Koalition. Schließlich handelt es sich einmal mehr um eine Idee der Grünen, die umgesetzt wird. Um eine Idee, die nicht gerade zu den bisherigen Schulplänen von CDU und FDP passt.

Die Reform werde "die Übergänge zwischen den Schulen harmonischer gestalten", sagt Müller, und weniger Schulabbrecher hinterlassen. Dazu sieht sie gleich drei große Umbrüche vor: Die Grundschule soll von vier auf fünf Jahre verlängert werden. Das letzte Kindergartenjahr wird zu einer Art Vorschule, in der Erzieher und Lehrer die Kleinen zusammen unterrichten. Und neben den Gymnasien soll eine neue Schulform namens "Gemeinschaftsschule" entstehen, in der die Jugendlichen alle Abschlüsse machen können, auch das Abitur.

Eine historische Reform? Von wegen, klagen viele Lehrer. Die Kritik kommt von verschiedenen Seiten. Den einen geht der Umbruch nicht weit genug, sie hätten die Grundschule lieber gleich auf sechs Jahre verlängert wie in anderen Ländern. "Man wird uns die Grundlage entziehen", befürchtet dagegen Klaus Lessel, Vorsitzender des saarländischen Philologenverbands. Den Gymnasien werde ein dringend benötigtes Jahr genommen. Und überhaupt: "Wenn wir die Grundschule auf fünf Jahre verlängern, ist es für die Eltern problematisch, umzuziehen." Manche Führungskraft würde sich dann wohl überlegen, ob sie überhaupt ins Saarland mit seinem Sondersystem gehen wolle, befürchtet Lessel.

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