Praktikanten bewerten Arbeitgeber Das Grauen unter der Oberfläche

Plötzlich zählen nicht mehr nur das gute Image und der erste Eindruck: In einer Umfrage bewerten Praktikanten Arbeitgeber nach dem, was sie tatsächlich im Unternehmen erlebt haben. Vorne liegen nicht die üblichen Gewinner.

Von Nicola Holzapfel

Welcher Praktikant träumt nicht davon, dem Arbeitgeber einmal so richtig die Meinung zu sagen? Das Beratungsunternehmen Clevis hat das möglich gemacht, wenn auch über Umwege: In Zusammenarbeit mit dem Stellenportal Absolventa und der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität bat Clevis Praktikanten, ihr Unternehmen zu bewerten.

Nur wer in einem Unternehmen tätig war, kann die Arbeitsbedingungen dort beurteilen.

(Foto: dpa)

Die Teilnehmer des "Praktikantenspiegels" beantworteten Fragen wie "Seid ihr als vollwertige Kollegen akzeptiert?" oder "Werdet ihr fair bezahlt?". Die Antworten von 3629 Praktikanten zu 50 Unternehmen wurden schließlich mit anderen Rankings verglichen. Diese Gegenüberstellung ist überraschend: Firmen, die anderen Studien zufolge zu den beliebtesten Arbeitgebern zählen, landen auf einmal auf den hinteren Plätzen.

Denn: Bei Untersuchungen wie beispielsweise dem Trendence-Absolventenbarometer werden Studenten und junge Akademiker nach der Attraktivität von Arbeitgebern befragt, ohne dass sie jemals dort gearbeitet hätten. "Doch nur wer ein Unternehmen von innen kennengelernt hat, kann es bewerten", sagt Nils Gründler von Clevis den Ansatz der Studie.

Der Praktikantenspiegel ordnet Arbeitgeber vier Gruppen zu. Die "Stars" verfügen demnach sowohl über ein gutes Image als Arbeitgeber als auch über zufriedene Praktikanten. Die "Blender" haben einen sehr guten Ruf, konnten die Erwartungen der Praktikanten aber nicht erfüllen. Bei den "Hidden Champions" ist es genau anders herum: Sie haben gute Bewertungen, aber keine Markenstärke. Und die "Hoffnungslosen" haben in jeder Hinsicht Nachholbedarf.

"Wir wollen eine Diskussion darüber anstoßen, was Rankings über Arbeitsbedingungen aussagen", erklärt Ludwig Preller von Clevis die drastischen Bezeichnungen. Er sieht die Studie als Analyse-Tool, das Personalverantwortlichen zu erkennen hilft, wo Handlungsbedarf im Unternehmen besteht und worauf es begehrten Nachwuchskräften überhaupt ankommt.

Ganz so schlimm ist es also selbst für die "Hoffnungslosen" nicht - sie müssen nur bereit sein, in Zukunft stärker an ihrer Außenwirkung und ihrem Verhältnis zu Praktikanten und Beschäftigten zu arbeiten. Hohe Einstiegsgehälter allein reichen jedenfalls nicht, um gute Bewerber anzuziehen und zu halten, das macht die Studie klar. Viel wichtiger seien eine gute Unternehmenskultur, das kollegiale Verhalten und ein interessantes Aufgabengebiet.

Manche Arbeitgeber spüren die Nachwirkungen der Krise. So findet sich unter den "Stars" der Untersuchung keine einzige Bank. Sie leiden unter ihrem negativen Image - trotz guter Noten der Praktikanten. Auffallend schlechte Bewertungen kassierten dagegen Medienunternehmen, mag ihr Markenimage auch noch so stark sein. "Es dauert zwei, drei Jahre, bis sich Maßnahmen des strategischen Personalmarketings am Markt bemerkbar machen. Die Unternehmen reagieren oft zu spät", sagt Gründler. Auch deswegen ist er schon jetzt gespannt auf die Umfrage-Ergebnisse im kommenden Jahr.

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