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Prävention:In allen Lebensbereichen leben - nicht nur im Job

Manchmal jedoch lassen sich Überstunden und hohe Arbeitsanforderungen nicht vermeiden. Dann ist es wichtig, Ruhe in anderen Lebensbereichen zu finden. Im sogenannten Käfermodell beschreibt Prieß sechs Lebensbereiche, die entscheidend dafür sein können, ob und wann jemand ausbrennt. Diese Bereiche lauten: Beruf, Familie, Gesundheit, soziale Kontakte, Hobbies und Glaube beziehungsweise Lebensmotto. Diese stehen sinnbildlich für die sechs Beine eines Käfers. "Wer in allen Bereichen lebt und sagen kann 'Ich stehe da, wo ich will', ist weit von einem Burn-out entfernt", so Prieß. "Je weniger Beine jedoch ausgebildet sind, desto gefährdeter für Burn-out ist man. Wer im Job die Erfüllung seines Lebensmottos und den Hort seiner sozialen Kontakte sieht und als einziges Hobby Sport betreibt, um damit seine Gesundheit aufrechtzuerhalten, hat einen Käfer, der nur auf zwei Beinen steht", erklärt Prieß. "Wenn dann im Job etwas schief läuft, bricht der Käfer quasi automatisch zusammen."

Regelmäßige Auszeiten einplanen

Unzählige Beratungsangebote und Bücher wollen den Weg zu einem ausgeglichenen Leben erleichtern. So erklärt der Facharzt und Coach Thomas Bergner in seinem Buch "Burnout-Prävention" wie man sich selbst besser verstehen lernt, die persönliche Zufriedenheit steigert, mit Stress korrekt umgeht und wirkliche innere Ziele erkennt. "Das kleine Buch gegen Burnout" vom Psychologen Jörg Fengler beschreibt 25 Prinzipien der Burnout-Prävention mit Übungen für den Alltag. Autogenes Training und gesunde Ernährung gehören ebenso dazu wie das Erlernen der Fähigkeiten, Nein zu sagen, das Optimum statt das Maximum anzustreben und sich realistische Ziele zu setzen. Auch wenn es bei so vielen guten Tipps schwer fallen kann, das individuell passende Rezept zu finden, in einem sind sich viele Ärzte, Berater und Forscher einig: Mindestens ein Tag in der Woche sollte arbeitsfrei sein.

Burn-out-Prävention am Arbeitsplatz

Zusätzlich zu dem, was man selbst tun kann, ist ein weiterer Schritt die Verbesserung der äußeren Umstände. Viele Firmen sind mittlerweile für das Thema sensibilisiert und investieren in die Burn-out-Prävention. Ansprechpartner für Änderungen können - je nach Betrieb und persönlicher Lage - Vorgesetzte, der Betriebsrat oder betriebseigene Ärzte, Psychologen oder Gesundheitsmanager sein.

Entscheidend für das Gelingen dieser Maßnahmen ist jedoch, dass (noch) keine Depression vorliegt (lesen Sie dazu auch diesen SZ.de-Ratgeber). Dann nämlich sind Betroffene meist nicht mehr in der Lage, sich durch Pausen oder Selbstmanagement zu helfen. Wer sich niedergeschlagen oder überfordert fühlt, sollte daher versuchen herauszufinden, ob der Grund in einer Überbelastung im Job oder einer psychischen Erkrankung besteht. Bei der Einschätzung können anonyme Selbsttests helfen, zum Beispiel dieser Test auf Basis der sogenannten Allgemeinen Depressionsskala, die vom amerikanischen National Institute of Mental Health entwickelt wurde.

Auch die Tests der Stiftung Deutsche Depressionshilfe oder der Technischen Universität Dresden können Hinweise auf eine mögliche Erkrankung geben.