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Motivation im Job:15 Prozent haben innerlich gekündigt

Arbeitsmüdigkeit

Das Gros der deutschen Arbeitnehmer zeigt im Job keinen besonderen Einsatz.

(Foto: iStock)
  • 85 Prozent der Beschäftigten in Deutschland leisten im Job maximal Dienst nach Vorschrift, ein Teil davon hat sogar bereits innerlich gekündigt.
  • Laut "Engagement Index 2014" des Meinungsforschungsinstituts Gallup hängt die emotionale Mitarbeiterbindung wesentlich vom Führungsverhalten des direkten Vorgesetzten ab.
  • Durch unmotivierte Mitarbeiter entstehen den Unternehmen laut Gallup hohe Kosten.

Nur nicht zu viel Engagement

85 Prozent der Beschäftigen in Deutschland machen in ihrem Job bestenfalls Dienst nach Vorschrift, besagt der "Engagement Index 2014", den das Meinungsforschungsinstitut Gallup erstellt hat. Nur 15 Prozent der Arbeitnehmer zählen zum Kreis der emotional hoch gebundenen Angestellten. In der repräsentativen Studie, die Gallup seit 2001 jährlich veröffentlicht, wird die emotionale Bindung von Mitarbeitern an ihren Arbeitgeber und damit ihr Engagement und die Motivation bei der Arbeit gemessen.

Demnach ist die Zahl der von ihrer Arbeit maximal mäßig Begeisterten im Vergleich zum Vorjahr sogar leicht angestiegen. 2013 lag der Wert der "gering gebundenen Mitarbeiter" bei 67 Prozent; 17 Prozent der Angestellten hatten bereits innerlich gekündigt. Addiert ergibt das einen Wert von 84 Prozent und damit einen Prozentpunkt weniger als in der aktuellen Studie. Immerhin die Zahl derer, die jegliche Motivation vermissen lassen, ist von besagten 17 Prozent auf 15 Prozent gefallen. "Der Anteil deutscher Arbeitnehmer, die emotional nicht an ihren Arbeitgeber gebunden sind, ist zum zweiten Mal infolge gesunken", heißt es in einer Mitteilung von Gallup.

Fokus auf die Rolle der Führungskräfte

Da die emotionale Mitarbeiterbindung unmittelbar vom Führungsverhalten des direkten Vorgesetzten beeinflusst werde, so die Meinungsforscher, liege der Fokus des "Engagement Index 2014" auf den Führungskräften. "Wir haben uns in diesem Jahr unter anderem intensiv mit der Frage beschäftigt: Wie sieht der typische Vorgesetzte aus?", sagt Marco Nink von Gallup.

Die wichtigsten Ergebnisse

Die durchschnittliche Führungskraft ist 45,8 Jahre alt, männlich (75 Prozent), arbeitet Vollzeit (87 Prozent), verfügt als formale Bildung mindestens über einen Realschulabschluss (88 Prozent) und hat im Schnitt 9,7 Jahre Führungserfahrung. Die Mehrheit (52 Prozent) der Vorgesetzten führt weniger als zehn Mitarbeiter. Die durchschnittliche Wochenarbeitszeit von Führungskräften liegt bei 43,3 Stunden pro Woche.

Fachkompetenz und Erfahrung sind die häufigsten Gründe für Beförderungen in Führungspositionen: Etwa die Hälfte (51 Prozent) der Führungskräfte sind in ihre derzeitige Position gekommen, weil sie viele Erfahrungen in ihrem Arbeitsgebiet gesammelt haben und längere Zeit im Unternehmen tätig sind. 47 Prozent der Führungskräfte wurden befördert, da sie in ihrer vorherigen Position ohne Führungsverantwortung erfolgreich waren.

Leiden unter schlechter Führung

Nink betrachtet diese Praxis der Führungskräfteauswahl in deutschen Unternehmen als problematisch: "Verschiedene Gallup-Studien haben ergeben, dass nur ein geringer Teil der Menschen für eine Führungsposition geeignet ist. Erfahrungen und fachliche Kompetenzen sind zwar von Vorteil für eine Position als Führungskraft, dennoch ersetzen sie nicht das nötige Talent."

Was schlechte Führung für Unternehmen bedeutet

"Wenn das Führungsverhalten nicht stimmt und die Situation am Arbeitsplatz schlecht ist, leiden letztlich die Mitarbeiter psychisch und physisch darunter", sagt Nink. So empfinden Beschäftigte ohne emotionale Bindung zu ihrem Arbeitgeber eher das Gefühl, ausgebrannt zu sein (60 Prozent, emotional hoch gebundene Mitarbeiter: 21 Prozent) und lassen ihren Arbeitsstress eher an Freunden und Familie aus (41 Prozent, emotional hoch gebundene Mitarbeiter: neun Prozent). Auch haben Sie weniger Spaß bei der Arbeit (fünf Prozent, emotional hoch gebundene Mitarbeiter: 83 Prozent).

Ein Viertel der befragten Arbeitnehmer hat schon einmal seine Arbeitsstelle wegen eines Vorgesetzten gekündigt, um das eigene Wohlbefinden zu verbessern. 19 Prozent der Mitarbeiter ohne emotionale Bindung sind aktiv auf der Suche nach einem neuen Arbeitsplatz. Weitere 23 Prozent schauen sich um, suchen aber nicht aktiv. Unter den emotional hoch gebundenen Mitarbeitern ist hingegen nur ein Prozent der Mitarbeiter aktiv auf Arbeitsplatzsuche und sechs Prozent schauen sich um.

Marco Nink: "Die nicht vorhandene emotionale Bindung von Mitarbeitern ist aufgrund der Fluktuationsneigung gerade vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels für Unternehmen ein Problem." Darüber hinaus weisen emotional nicht gebundene Mitarbeiter im Schnitt fünf Tage mehr Fehlzeiten auf als ihre emotional hoch gebundenen Kollegen. "Jeder Fehltag kostet ein Unternehmen im Schnitt 252 Euro", sagt der Gallup-Experte. "Aus dem Mehr an Fehlzeit aufgrund fehlender oder nur geringer emotionaler Mitarbeiterbindung entstehen einem Unternehmen mit 2000 Mitarbeitern Kosten in Höhe von etwa 1,3 Millionen Euro."

Über die Studie

Seit dem Jahr 2001 erstellt Gallup jährlich anhand von zwölf Fragen zum Arbeitsplatz und -umfeld den "Engagement Index" für Deutschland. Für die jüngste Untersuchung wurden 2034 zufällig ausgewählte Arbeitnehmer ab 18 Jahren in drei Erhebungswellen zwischen April und Dezember 2014 telefonisch interviewt. Die Ergebnisse sind dem Meinungsforschungsinstitut zufolge repräsentativ für die Arbeitnehmerschaft in Deutschland.

© SZ.de/mkoh/harl
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