Kurze Karrieren Vom Dressman zum Personaler

Als Model für Armani laufen, mit Leidenschaft tanzen oder als Stuntman an seine Grenzen gehen: Menschen mit solchen Berufen wissen, dass sie das nicht ihr Leben lang durchhalten. Was kommt danach? Vier, die noch einmal neu angefangen haben, erzählen.

Von Karin Janker

Einen Beruf mit Zukunft wünschen sich Eltern für ihr Kind. Einen, in dem man lange gesund und glücklich arbeiten wird. Was aber machen Menschen, die einen Karriereweg einschlagen, der von vergleichsweise kurzer Dauer ist? Die Tänzer, Model, Stuntman oder Profisportler werden? Kommt nach diesem Beruf, der oft Berufung ist, eine zweite Karriere? Und wie gelingt der Übergang? Hier erzählen vier Menschen, die ihren zukunftsfähigen Beruf im zweiten Anlauf gefunden haben.

"Ich konnte nichts als tanzen"

Die frühere Balletttänzerin Christine Bombosch hat eine neue Berufung gefunden.

(Foto: Ida Zenna)

Christine Bombosch, 45 Jahre, früher Balletttänzerin, heute Sozialarbeiterin

"Den Gedanken, dass ich irgendwann mit dem Tanzen aufhören muss, habe ich lange vor mir hergeschoben. Als Tänzer gibt man viel von sich - und irgendwann muss man einfach wahnsinnig viel trainieren, um mithalten zu können, der Aufwand wird einfach zu hoch. So war es zumindest bei mir. Mit Mitte 30 habe ich gemerkt, dass ich da nicht mehr weiterkomme. Kunst kann ganz nah an den Menschen sein, ihnen bis tief in die Eingeweide gehen. Aber am Staatsballett hatte ich das Gefühl, dass ich mich immer weiter von der Realität entfernte und in einer elitären Blase arbeitete.

Heute langweilen mich schlechte Tanzstücke unfassbar - ich brauche keine Fiktion mehr, ich habe jeden Tag mit realen Schicksalen zu tun. Als Klinische Sozialarbeiterin in einer stationären Einrichtung für psychisch kranke Menschen bin ich näher dran an dem, was ich wirklich bin. Schon im Ballett fand ich die Menschen um mich herum interessanter als meine Karriere durchzuboxen.

Trotzdem war es ein langer Weg: Ich nahm mir ein Jahr Zeit, um mich zu orientieren und einen Beruf zu finden, der mir Spaß macht. Ganz besonders hat mir dabei ein Kurs des Arbeitsamts geholfen, in dem wir herausfinden sollten, was unsere Stärken sind. Ich konnte ja nichts als tanzen, dachte ich damals.

Das ist jetzt meine Bühne

Viele Tänzer haben keinen ordentlichen Schulabschluss, weil sie schon mit 17 oder 18 Jahren am Theater sind und immer nur tanzen. Der Verstand liegt brach - ich wollte mit dem Kopf arbeiten und habe mich richtig ins Studium gestürzt: Klinische Sozialarbeit. Natürlich war es anfangs schwierig: Ich fühlte mich fehl am Platz, hatte Angst, entlarvt zu werden als jemand, der gar nichts kann. Jedes Mal, wenn ich eine Hausarbeit schreiben musste, war ich total aufgeregt.

Mit meiner Masterarbeit, in der es um die Beratung von Tänzern ging, habe ich mit dem Thema Tanz schließlich abgeschlossen. Heute arbeite ich daran, mich in Richtung therapeutische Arbeit weiterzubilden. Ich merke, dass ich dann am besten bin, wenn ich mit einem Menschen ganz persönlich arbeiten kann. Das ist jetzt meine Bühne."