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Kleiderordnung im Büro:Wie weit darf der Arbeitgeber gehen?

Aber wie weit ins Detail darf der Arbeitgeber gehen? Die Vorschrift für Fluggastkontrolleure in Köln-Bonn, nicht ohne Unterwäsche am Arbeitsplatz zu erscheinen, fanden die Richter in Ordnung. Der Arbeitgeber hatte argumentiert, dadurch werde die Dienstkleidung geschont. Das sei wichtiger als die Freiheit der Mitarbeiter, auf Unterwäsche zu verzichten. Auch die Vorschrift, dass Fingernägel maximal 0,5 Zentimeter lang sein dürfen, akzeptierten die Richter. Dadurch werde die Verletzungsgefahr für die Passagiere gemindert.

Benimm-Patzer im Büro

Warum dezent, wenn es auch laut geht?

Aber einige noch detailliertere Regelungen gingen den Arbeitsrichtern dann doch zu weit. Dass Frauen eine einheitliche Farbe der Fingernägel vorgeschrieben wurde, erklärten die Richter für unzulässig. Auch das Verbot für Männer, ein Toupet zu tragen oder ihre Haare in unnatürlich wirkenden Farben zu färben, wurde gekippt. Aber wann eine Regelung noch im Rahmen ist, und wann sie die Rechte der Arbeitnehmer zu sehr beschneidet, das ist auf für Fachleute nicht leicht zu sagen. "Die Grenzen sind fließend", sagt Rechtsanwältin Grage.

Genauso groß ist das Streitpotenzial in Branchen, in denen es zwar keine Dienstkleidung gibt, dafür aber konkrete Erwartungen an das Äußere der Beschäftigten. "Dass der Bankmitarbeiter, der Kundenkontakt hat, nicht im T-Shirt und mit ausgefranster Jeans kommen darf, ist nachvollziehbar", sagt Eckert.

Aber auch dort stellt sich die Frage, wie detailliert sich der Chef einmischen darf. "In bestimmten Positionen kann der Arbeitgeber sicherlich vorschreiben, dass Männer Anzug und Krawatte tragen", betont der Arbeitsrechtler aus Heidelberg. Aber darf der Chef vorschreiben, dass alle seine Mitarbeiter graue Anzüge zu tragen haben? "Er kann sicher nicht vorschreiben, dass ein Anzug die Farbe grau haben muss. Aber er kann schon gedeckte Farben vorschreiben."

Auch die Frage, ob ein Bank-Mitarbeiter ein Nasen-Piercing tragen darf, sei nicht so ohne weiteres zu beantworten. Am besten sei es, solche Fragen im Vorfeld detailliert im Arbeitsvertrag zu regeln. Egal ob mit Dienstkleidung oder schickem Banker-Anzug: Zu locker sollten Angestellte die Vorschriften ihres Chefs nicht nehmen. Wer sich nicht an die Kleider-Ordnung hält, dem droht eine Abmahnung und letztlich sogar der Rauswurf.