Kleiderordnung im Büro Was Chefs ihren Mitarbeitern befehlen dürfen

Dass ein Bauarbeiter einen Helm tragen muss, ist nachvollziehbar. Aber darf ein Chef seinen Angestellten im Büro auch die Farbe ihrer Unterwäsche vorschreiben? Bei der Festlegung der Kleiderordnung gibt es Grenzen. Ein Überblick.

Bei den Beschäftigten der Sicherheitskontrolle am Flughafen Köln-Bonn weiß man ganz genau, was sie unten drunter tragen: Einfarbige Unterhosen in Weiß oder Hautfarbe. Blümchenmuster auf dem Schlüpfer sind verboten, und für die Frauen ist ein BH Pflicht. So schreibt es der Arbeitgeber vor - und das Landesarbeitsgericht in Köln hatte gegen diese Anweisung keine Einwände. Zwar gibt es für solche Kleiderordnungen enge juristische Grenzen. Aber generell gilt für jeden Angestellten: Wer sein Outfit nicht an den Vorgaben des Chefs ausrichtet, riskiert im schlimmsten Fall seinen Job.

Bei manchen Arbeitgebern nicht erlaubt: geblümte Unterwäsche.

(Foto: ddp)

"Was erlaubt ist, hängt immer auch von der Branche ab", sagt Arbeitsrechtlerin Silke Grage aus Hamburg. Ganz einfach sei es bei Sicherheits- oder Hygiene-Vorschriften, die häufig schon per Gesetz vorgegeben sind. "Natürlich darf ein Arbeitgeber einem Bauarbeiter vorschreiben, dass der einen Helm trägt. Und wenn jemand in der Küche arbeitet, darf der Arbeitgeber ihm eine Kopfbedeckung vorschreiben, damit die Haare nicht in die Suppe fallen", erklärt Michael Eckert, Fachanwalt für Arbeitsrecht in Heidelberg.

Etwas komplizierter wird es schon, wenn der Chef seinen Leuten aus optischen Gründen eine einheitliche Arbeitskleidung verordnen will - so wie im Fall der Fluggastkontrolleure in Köln-Bonn. "Der übliche Weg ist, das dann in einer Betriebsvereinbarung festzuschreiben", sagt Grage. Dabei hat der Betriebsrat ein Wort mitzureden. Letztlich dreht sich alles um die Frage, wie stark der Chef in Persönlichkeitsrechte seiner Mitarbeiter eingreifen darf. Denn wenn der Arbeitgeber eine einheitliche Dienstkleidung vorschreibt, nimmt er seinen Mitarbeitern das Recht, selbst über ihre Kleidung zu entscheiden.

Ein solcher Eingriff in die Freiheit der Mitarbeiter müsse verhältnismäßig sein, betonten die Kölner Arbeitsrichter, als es um die Fluggastkontrolleure in Köln-Bonn ging (Az.: 3 TaBV 15/10). "Es bedarf einer Gesamtabwägung zwischen der Intensität des Eingriffs und dem Gewicht der ihn rechtfertigenden Gründe; die Grenze der Zumutbarkeit darf nicht überschritten werden", heißt es im Urteil. Was das im Einzelfall heißt, ist oft Auslegungssache.

Die Vorschrift, Arbeitskleidung zu tragen, halten Juristen generell für unproblematisch. Das Interesse des Chefs an einem einheitlichen Erscheinungsbild seiner Mitarbeiter wiege schwerer als das Interesse des Mitarbeiters, sich individuell zu kleiden.

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