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Quereinstieg in die IT:Den Rest lernen Sie noch

Programmierkurse sollen Frauen IT eröffnen

Frauen lernen in einem Kurs in Berlin das Programmieren. Sie machen nur 15 Prozent der Bewerber auf Jobs für IT-Spezialisten aus. Frauen unterschätzen sich tendenziell, haben Ökonomen festgestellt.

(Foto: Britta Pedersen/dpa)

Wer programmieren kann, braucht keine Bewerbung mehr zu schreiben. Die Arbeitgeber kommen von selbst. Quereinsteiger finden auch mit Grundwissen eine Stelle. Denn Lernen im Job ist in der IT ganz normal.

Expertin für IT müsste sie sein! Der Gedanke kam Veronica Hannibal, als es mit dem Berufseinstieg nicht so klappte wie gedacht. Sie hatte Geografie studiert und sich journalistisch weitergebildet. Aber ein passender Job ließ sich nicht finden. Selbständig zu schreiben und mit Bloggen ihr Geld zu verdienen, gestaltete sich schwierig. Welcher Job hat Zukunft, wo gibt es freie Stellen, fragte sich Hannibal.

Der Digitalverband Bitkom hat jüngst 82 000 freie Stellen für IT-Spezialisten gezählt. Wer programmieren kann, findet nach dem Studium einen Job, er braucht sich nicht sorgen, dass ein Roboter ihn ersetzen könnte. Wer coden kann, braucht nicht mal mehr Bewerbungen zu schreiben, weil die Firmen nach ihm suchen. Das Glück einiger weniger Technikfreaks? Oder eine Entwicklung, von der viel mehr Menschen profitieren könnten?

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Das Beispiel von Veronica Hannibal zeigt, dass IT und digitale Berufe längst keine Nerdszene mehr sind. Ihre ersten Programmierbefehle tippte sie in einem kostenlosen Onlinekurs, und sie fand Spaß an den Aufgaben. Allerdings musste sie endlich Geld verdienen, mit einem zweiten Vollzeit-Bachelor in Informatik war das nicht vereinbar.

Das Besondere am Arbeitsmarkt für IT-Spezialisten: Abschlüsse und Zeugnisse sind für viele Jobs keine Voraussetzung. Das liegt nicht nur am Fachkräftemangel. "Der technologische Fortschritt geht so schnell voran, dass Studiengänge gar nicht schnell genug konzipiert werden können", sagt Martina Weiner, Expertin für Personalsuche in der Digitalwirtschaft. Seit acht Jahren besetzt sie Führungsteams schnell wachsender Tech-Unternehmen. Täglich bekommt sie Anrufe von Firmen, die einen "Senior Data Scientist" suchen, also einen erfahrenen Datenwissenschaftler. Paradox: "Der Begriff ist nicht geschützt, es gibt kein standardisiertes Berufsbild dazu und in Deutschland nur 4000 Menschen, die seit maximal drei Jahren in dem Beruf arbeiten, denn vorher gab es den gar nicht", sagt Weiner. Wirtschaftsinformatiker, Physiker und Menschen, die sich mit höherer Mathematik auskennen, kämen für Einsteiger-Positionen in dem Feld infrage.

Darf's noch etwas mehr sein?

Bei der Beurteilung von Erfahrung müssen Firmen oft weichere Kriterien anlegen als in anderen Berufsfeldern. Jegliche Praxiserfahrung ist wertvoll, auch wenn es sich um ein Studentenprojekt oder ein Hobby handelt. Entscheidend ist, ob Kandidaten dazulernen wollen.

Veronica Hannibal hat deshalb viel richtig gemacht. Sie hat einen weiteren Onlinekurs belegt und sich dabei auf Frontend-Development spezialisiert, "dabei setzt man das, was die Webdesigner planen, in einen Code um und sorgt dafür, dass es funktioniert", sagt sie. In acht Monaten lernte sie die Programmiersprache Javascript. Für ihren Job führte sie schließlich nur ein Interview. Beim Wunschstandort in München war ihr wichtig, dass sie auf dem Weg zur Arbeit mit der Bahn nicht so oft umsteigen müsste - Erwartungen, die außer IT-Fachkräften wohl kaum andere Berufseinsteiger anstellen können.