Karriere Kreativität braucht bestimmte Voraussetzungen

"Diese Überzeugung, etwas Unwiderstehliches, etwas Fantastisches, etwas unbedingt Nötiges in die Welt zu setzen, das ist der eigentliche Antrieb." Franz Xaver Kroetz, Regisseur und Schriftsteller

Was sind die Voraussetzungen für künstlerischen Erfolg? "Viele Hochkreative haben sich in ihre Aufgabe vertieft und zunächst gar nicht das Außergewöhnliche gesucht", sagt Rainer Holm-Hadulla. "Kreativität findet immer im Zusammenspiel von Begabung, Wissen und Können, Motivation, Disziplin, Offenheit und Widerstandsfähigkeit sowie geeigneten Umweltbedingungen statt." Man könne nur dann etwas Fantastisches vollbringen, wenn diese Voraussetzungen erfüllt seien.

Holm-Hadulla betont den Aspekt des Lernens für kreative Leistungen: "Nur was neuronal gespeichert ist, kann assoziativ verknüpft werden. Im Ruhemodus des Gehirns finden selbstorganisierende Prozesse statt, die gespeicherte Information neu kombinieren. Erst daraus entstehen neue Ideen." Die sogenannte Phase der Inkubation sei oft von Unlustgefühlen begleitet, solange die erwartete Lösung noch nicht gefunden ist. Diese häufig "quälende Suchbewegung" werde bestenfalls mit einem Aha-Erlebnis belohnt. Darauf folge die Realisierung, laut Holm-Hadulla meist die schwierigste Phase, da sie geduldigen Verzicht auf andere Beschäftigungen verlange. "Kreative Talente, die nicht diszipliniert arbeiten können, scheitern." Dabei seien Wissen, ein gutes Gedächtnis und Disziplin umso wichtiger, je komplexer ein Werk sei.

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Schließlich wird das Werk publik, was ebenfalls als krisenhaft empfunden werden kann, vor allem, wenn eine - wie von Franz Xaver Kroetz - erhoffte positive Resonanz ausbleibt. Die Anerkennung kann eine wichtige Triebfeder sein, als Schlüssel für kreative Leistungen gilt aber das intrinsische Interesse, "die Motivation sich einer Sache leidenschaftlich um ihrer selbst Willen zu widmen". So sagt etwa der Modeschöpfer Karl Lagerfeld: "Ehrgeiz hab ich überhaupt nicht. Ich weiß gar nicht, was das ist. Ich mach das alles nur für mich."

"Wer ausfällt, muss schleunigst zurückkommen, sonst ist der Job weg." Anne Will, Moderatorin

Nach der Rückkehr aus der Elternzeit haben Mütter und Väter einen Anspruch darauf, so beschäftigt zu werden, wie es in ihrem Vertrag vereinbart ist. Anne Will warnt vor langen Auszeiten. Ähnlich klingt der Appell von Facebook-Managerin Sheryl Sandberg: "Ich rate allen Frauen: Gebt Gas!" Sandberg empfiehlt Frauen, möglichst früh Karriere zu machen und dann Kinder zu bekommen. Wie Zahlen des Statistischen Bundesamts zeigen, beherzigen nur wenige Frauen ihren Rat: Lediglich 32 Prozent der Mütter mit einem Kind unter drei Jahren sind überhaupt erwerbstätig, viele davon in Teilzeit. Elke Holst, Forschungsdirektorin Gender Studies am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) ist sicher, dass Frauen heute nach einer Auszeit ihre Verdienstrückstände nicht mehr aufholen. Das gilt vor allem, wenn nur sie eine Familienphase einlegen.

"Wenn Männer bis Ende 30 nicht die entscheidenden Schritte gemacht haben, ist es vorbei mit der Karriere." Thomas Sattelberger, Ex-Telekom-Vorstand und Coach

Diesem Rat scheinen die meisten Männer zu folgen. Im Gegensatz zu den Müttern ist bei Vätern die Erwerbsbeteiligung weitgehend unabhängig vom Heranwachsen der Kinder. Das belegen Zahlen des Statistischen Bundesamts. Während zum Beispiel 70 Prozent der Mütter Teilzeit arbeiten, ist das nur bei sechs Prozent der Väter der Fall.

Elke Holst vom DIW hält dieses Erfolgsrezept für überholt. "Angesichts der heute langen Lebensarbeitszeiten ist es nicht mehr zeitgemäß, dass in jungen Jahren darüber entschieden wird, ob jemand Karriere macht", sagt sie. "Warum kann man nicht auch später Karriere machen?" Das DIW entwickelt Arbeitszeitmodelle, mit denen Familie und Beruf besser vereinbar sind, etwa indem beide Elternteile zwischen 28 und 32 Stunden die Woche arbeiten. "Für einen Arbeitgeber ist es bislang eine vermeintlich rationale Entscheidung, den männlichen Bewerber zu bevorzugen, weil er davon ausgeht, dass ein Vater kürzere Familienpausen einlegt. Aber auch junge Männer wünschen sich heute mehr Zeitsouveränität." Damit verändern sich auch die Wege zum Erfolg.