Job Warum Männer die Finanzkrise ausgelöst haben ...

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Frauen und Männer verhalten sich im Berufsleben unterschiedlich.

(Foto: Razvan Chisu/Unsplash)
  • Eine umfangreiche Studie befasst sich mit dem Zusammenhang von Risikobereitschaft und Geschlecht.
  • Männer sind demnach risikofreudiger, Frauen dagegen selbstloser.
  • Aus den Daten lassen sich viele Schlüsse zum Verhalten der Geschlechter im Job ziehen.
Von Alexander Hagelüken

Spekulanten agieren oft wie Haie, die jede Menge Beute im Wasser sehen. Gewinnen sie ein paar Mal größere Summen, greifen sie hochriskant an, bis sie am Ende riesige Summen verlieren - auf Kosten der Gesellschaft. Wird derzeit im zehnten Jahr über die Finanzkrise 2008 diskutiert, taucht John Coates' Haifisch-Theorie wieder auf. Der britische Forscher maß, dass bei erfolgreichen Spekulanten das Testosteron so ansteigt wie bei Haien im Blutrausch.

Nun beeinflusst die Risikoneigung, wie sich ein Mensch entscheidet. Im Beruf, im Alltag, in der Lebensplanung. Geduld, Vertrauen oder die Frage, wie stark der eigene Egoismus ausgeprägt ist, prägen die Entscheidung ebenfalls. Diese Präferenzen haben jetzt Forscher untersucht - mit erstaunlichen Ergebnissen.

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Wissenschaftler um den Bonner Ökonomen Armin Falk befragten weltweit 80 000 Menschen in fast 80 Ländern, die 90 Prozent der Weltbevölkerung repräsentieren. Eines der wichtigsten Ergebnisse: Durchschnittsmänner sind länderübergreifend risikobereiter als Frauen. Was erklären hilft, warum sie häufiger die berufliche Selbständigkeit wählen. Und warum ihr Geschlecht durch die übertriebene Form der Risikoneigung die Finanzkrise verursachte (Frauen haben nur ein Zehntel so viel Testosteron, sagt John Coates).

Männer sind nach Falks Daten aber auch geduldiger. Sie verzichten öfter mal auf Konsum und investieren das Ersparte: in Bildung, ein Geschäft oder eine Geldanlage. Diese Geduld verspricht ihnen mehr wirtschaftlichen Erfolg als Frauen.

Durchschnittsfrauen dagegen denken selbstloser. Das könnte erklären, warum sie sich stärker für andere Menschen engagieren. Und öfter soziale Berufe ergreifen - von der Erzieherin bis zur Krankenschwester. Durchschnittsfrauen äußern auch ihre Meinung ehrlicher, selbst wenn solche Offenheit in ihrer Firma ungern gesehen wird. Und sie belohnen positives Verhalten stärker, weshalb sie als Vorgesetzte besser motivieren können. Männer dagegen bestrafen negatives Verhalten stärker.

Aus diesen Erkenntnissen lässt sich zum Beispiel folgern, dass gemischte Teams erfolgreicher sind. Weil sie von weiblichem Sozialverhalten genauso profitieren wie von männlicher Geduld und Risikobereitschaft. Am besten vielleicht mit einer Chefin, weil die motivieren kann.

Unterschiede vergrößern sich in reichen Ländern

Aber sollten solche Unterschiede nicht in reicheren Ländern verschwinden, wenn die Geschlechter gleichgestellt werden, ohne dass der Kampf ums eigene Überleben das Handeln diktiert? Das würde man vermuten. Aber es ist genau andersherum, fanden Falk und Johannes Hermle von der US-Universität Berkeley heraus: Je größer Einkommen und Gleichstellung, desto mehr unterscheiden sich die Einstellungen der Geschlechter, heißt es in ihrer Studie im Magazin Science.

Nur, warum werden die Unterschiede größer? Ein möglicher Grund: Wem Hunger droht, der muss Risiken eingehen, hat wenig zu teilen und vertraut anderen eher wenig. Wenn dagegen die materielle Not beseitigt ist, können Frauen ihre Neigung mehr ausleben, sich sozial zu verhalten, erst recht in einer eher gleichgestellten Gesellschaft. Aber was verbirgt sich dahinter, dass Durchschnittsmänner häufig weniger selbstlos sind und dafür manchmal risikofreudiger? Ist es nicht negativ, dass sich die Geschlechterunterschiede in reicheren Ländern sogar vergrößern?

Falk rät dazu, Einstellungen nicht als unverrückbar zu sehen, egal ob bei Mann oder Frau. Der Leiter des Briq-Instituts für Verhalten und Ungleichheit hat in Feldstudien erkundet, wie sich Präferenzen ändern lassen. So fehlt es Kindern aus bildungsfernen Schichten häufiger an Geschick im Umgang mit anderen, was sie beruflich hemmt. Mentoren könnten ihr soziales Verhalten fördern. Unternehmen könnten den Hang zur offenen Meinungsäußerung positiv verstärken, weil die ganze Firma profitiert, wenn jemand Probleme anspricht. Und die Gesellschaft könnte allzu Risikowütige bremsen, indem sie Spekulanten nicht so ungeschoren davonkommen lässt wie die Haie im Blutrausch, die die Finanzkrise 2008 verursachten.

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