Erfolg im Job "Ein bisschen klappern gehört dazu"

Karriere kann Aufstieg bedeuten oder Veränderung. Viele Beschäftigte sind mit ihrem Job ganz zufrieden, bis sie sehen, welche Alternativen sie hätten. "In der Karriere ist es doch oft so, dass ich bei irgendeiner Feier irgendjemanden kennenlerne, der mir dann irgendwann einen Job vermittelt", sagt Braak. "Oder er erzählt mir von einem Studiengang, von dem ich nie gehört hatte, und das verändert dann mein ganzes Leben." Je mehr Menschen einer kennenlernt, desto mehr solcher Chancen eröffnen sich, ist seine Schlussfolgerung.

Das Phänomen ist in der Soziologie lange erforscht und als die Stärke schwacher Beziehungen bekannt. Angehörige, Freunde und Kollegen, die im engen Kontakt miteinander stehen, kennen häufig dieselben Menschen, treffen sich auf Veranstaltungen, hören von den gleichen Stellenausschreibungen. Sie haben sich also nicht viel Neues zu berichten. Ungleich höher ist die Chance, dass ein flüchtiger Bekannter eine Stelle vermitteln kann - auch wenn dann gerne von Zufall die Rede ist.

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Die Karriere planen und dem Zufall eine Chance geben, ist die Devise von Karrierecoach Jens Braak: "Denken Sie an eine Vortragsveranstaltung im beruflichen Umfeld: Da können Sie sich anschließend mit einem Bekannten in die Ecke stellen und über die anderen reden", gibt der Coach ein Beispiel. "Oder aber Sie sagen sich: Hier sind 100 interessante Leute, ich möchte 30 von ihnen 'Hallo' gesagt haben."

Das Netzwerk ist entscheidend

Auch von Headhuntern wie Claudia Ohainski entdeckt zu werden, ist eine Netzwerkfrage. Sie arbeitet über Empfehlungen, hört sich um, lässt sich weitervermitteln. "Es nützt nichts, der Schlauste, der Beste zu sein, wenn kein Mensch das weiß", sagt sie. Aus ihrer Sicht ist es kein Glück, weiterempfohlen zu werden. "Diejenigen schaffen es ganz nach oben, die über die besten Beziehungen, das beste Netzwerk verfügen. Ein bisschen klappern gehört dazu, um den Markt auf sich aufmerksam zu machen", sagt sie.

Klappern kann Dominic Multerer gut. Er nervt Journalisten so lange, bis sie seine Nummer unterdrücken oder über ihn schreiben. "Bevor ich meine erste Vorlesung bekam, habe ich zig Hochschulen angesprochen: Ich bin 18, was halten Sie davon, wenn ich bei Ihnen Vorlesungen halte - nicht theoretische Vorlesungen, sondern praktische? Drei fanden das interessant, bei einer habe ich es gemacht", sagt Multerer. "Das ist im Prinzip ein Schneeballeffekt: Wenn du Dinge anschiebst, passiert etwas, und daraus ergeben sich wieder andere Dinge. Wenn man nichts anschiebt, passiert nichts."

Mit Menschen, die er nicht überzeugen konnte, mit Projekten, die schiefgingen, hat er sich nie aufgehalten. Wenn Erfolg Zufall ist, gehört Scheitern dazu. Was aus ihm geworden wäre, wenn es damals den Artikel nicht gegeben hätte? "Das war ein Türöffner, aber ich bin mir sicher, dass ich die Türe auch anders aufgemacht hätte."

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