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Job-Speeddating:Bewerber, Ihr habt fünf Minuten

Beim Job-Speeddating können Jugendliche Kontakte zu Firmen aufnehmen - für manche die entscheidende Chance. Trotzdem machen viele Bewerber immer wieder die gleichen Fehler.

Tobias Gafus

Burak hat alles richtig gemacht: über dem schwarzen Hemd ein grauer Pullunder, dazu eine dunkle Jeans und die braunen Schuhe frisch geputzt und makellos. Er sieht genau so aus, wie sich ein Personaler einen 15-jährigen Bewerber wünscht: akkurat angezogen, aber nicht in einen Anzug gesteckt, der wie eine Verkleidung wirkt. Mit seiner Kleiderwahl hat Burak die erste Hürde genommen beim Job-Speeddating von "Sprungbrett Bayern", die größte Online-Praktikumsbörse für Schüler in Bayern.

Job-Speed-Dating in München, 2010

Beim Job-Speeddating überzeugen oftmals auch die Jugendlichen, die ansonsten wegen ihren schlechten Noten aussortiert werden.

(Foto: Catherina Hess)

Das Internetportal der bayerischen Wirtschaft führte die Veranstaltung erstmals durch. Burak ist einer von etwa 140 Schülern und Schülerinnen aus Münchner Haupt- und Realschulen, die ihren Samstagmorgen nicht entspannt im Bett verbringen, sondern etwas für ihre berufliche Zukunft tun wollen.

Zehn Unternehmen aus der Metall- und Elektrobranche haben ihre Stände aufgebaut und warten auf Bewerber. Das Konzept ist einfach: In Gruppen von bis zu vier Jugendlichen haben die Acht- und Neuntklässler 25 Minuten Zeit pro Unternehmen, um ihr Gegenüber von sich zu überzeugen - im Idealfall erhalten sie einen Praktikumsplatz oder sogar eine Lehrstelle.

Nicht alle Schüler haben gleich einen Termin bei einem Unternehmen. Und können somit die Zeit nutzen, um sich in einem der Vorträge letzte Ratschläge zu holen - etwa zu den eigenen Bewerbungsunterlagen. So kann verhindert werden, dass ein Junge einen Lebenslauf verschickt, in dem er mit einem peinlichen Partyfoto glänzen will. Plötzlich klingelt ein Handy. "Sofort ausmachen. Das darf bei den Unternehmen nicht passieren", erklärt die Referentin.

Doch nicht nur die Hinweise aus den Vorträgen sollen den Schülern helfen, einen guten Eindruck zu hinterlassen. Auch das Konzept trage laut Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer des Verbands der Bayerischen Metall- und Elektro-Industrie, dazu bei, dass es die Schüler leichter haben. "Durch die Gruppeninterviews bauen wir Hemmungen bei den Schülern ab, es nimmt ihnen die Scheu, wenn sie nicht alleine sind", erklärt er.

Wohl aus dem gleichen Grund führen bei dem Rüstungskonzern Cassidian Auszubildende die Gespräche. Doch der Plan geht nicht immer auf. Schüchtern stehen zwei 14-jährige Mädchen vor ihrer Interviewerin, die gerade mal drei Jahre älter ist als sie. Erst einmal lassen sich die Mädchen erklären, was Cassidian überhaupt so macht. In der Präsentationsmappe gibt es die entsprechenden Bilder, der Zeigefinger der Auszubildenden fährt mit. Marschflugkörper, Radarsysteme, Verteidigungselektronik.

Zumindest mit Airbus können die Mädchen etwas anfangen. Englisch sei sehr wichtig, erfahren sie, sprachbegeistert sind sie nur "ein bisschen". Was man als Industriekauffrau wohl so mache? Die Stille beginnt gerade peinlich zu werden, als eine den Versuch einer Antwort unternimmt: "Irgendwas mit Computern?" Sie spricht es wie mit drei Fragezeichen.

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