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Irland: Junge, die auswandern:Nichts wie weg hier

Keine Jobs, null Perspektive: Viele junge Iren leiden unter der Krise - und sehen Emigration als einzige Lösung. Tausende suchen inzwischen ihr Glück in Australien, Neuseeland oder Deutschland.

An diesem Abend läuft es endlich mal wieder richtig rund für die Iren. Keine Spur von Betrübnis. Dafür dominiert das Heimteam seine Gäste aus Schweden, Finnland und den USA zu sehr. Die Fans johlen vor Freude bei krachend lauter Musik, sie stampfen mit den Füßen. Der Bailey-Pub im südirischen Cork bebt, weil die Spieler Tischtennisbälle über eine Dreimeterdistanz in Bierbecher werfen - und treffen. "Bierpong" nennt sich das bizarre Spektakel, zu gewinnen gibt es 500 Euro Siegprämie plus Flugtickets nach Las Vegas für die Bierpong-Weltmeisterschaften im Januar.

Irland: Auswandern in der Krise

"Der letzte macht das Licht aus"

Cian Tanner ist ein ruhiger Typ; dieses schrille Trinkspiel und der zurückhaltende Informatiker, das passt nicht wirklich zusammen. Und doch versucht sich der 26-Jährige dabei zu amüsieren, sich abzulenken von der bohrenden Frage, was die Zukunft bringen wird. Auf seinem Plan steht nicht Spielspaß in Las Vegas, er wird im Januar Bewerbungsgespräche in Neuseeland führen.

"Ich habe ein mulmiges Gefühl dabei", sagt er. "Es ist so weit weg von zu Hause und noch habe ich keine Arbeit dort." Immerhin: Seine Freundin wartet in Auckland schon auf ihn - "sie hatte ruck, zuck ihren Wunschjob als Eventmanagerin, vielleicht ein gutes Zeichen", sagt der junge Mann und lächelt.

Wegen schlechter Perspektiven daheim haben bereits zwei von Tanners drei Geschwistern ihr Glück im Ausland gesucht. Seine Schwester Yvonne, eine Sozialarbeiterin, ist in Sydney, sein Bruder Colin hat jetzt eine Stelle als IT-Berater in London.

Die Jungen gehen: Wie bei den Tanners sieht es auf der Insel in vielen Familien aus. 100.000 Iren werden das Land wohl in nächster Zeit verlassen, sagen Experten des Wirtschafts- und Sozialforschungsinstituts ESRI in Dublin voraus. Bis 2015 rechnen sie sogar mit 200.000 Emigranten. Für das kleine Land mit nur 4,5 Millionen Einwohnern ein heftiger Verlust. Bewahrheiten sich die Prognosen, kommt es zu einer Auswanderungswelle vergleichbar mit jener, unter der Irland in den achtziger Jahren litt.

Nach einer Dekade des Aufschwungs, die für die Iren großen Wohlstand mit sich brachte, macht sich jetzt erneut Tristesse breit. Die Wirtschaftskrise verunsichert dabei vor allem die jungen, gut ausgebildeten Iren, für die es bisher nur bergauf ging. Jobverlust und sozialer Abstieg schienen in den Boomjahren absurd. Jeder wurde gebraucht, Geld gab es im Überfluss. Inzwischen aber sind drei von zehn Frauen und Männern unter dreißig ohne Arbeit.

In der Irish Times gibt es zuhauf Leserbriefe junger Auswanderer, die klagen: "Alles geht in Irland den Bach runter. Es sollte einen Aufstand geben gegen Politiker und Banker - aber wer kann, geht weg und unser Land verliert damit eine ganze Generation. Der Letzte macht dann bitte das Licht aus."

Ausländische Fachkräfte über Arbeiten in Deutschland

"Jaja bedeutet bei euch nein"

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