Gut arbeiten:Richtig führen

Jeder zweite Führungsposten ist falsch besetzt. Die Leidtragenden sind die Mitarbeiter - und die Unternehmen.

Nicola Holzapfel

Wenn Christine Mau über ihren Job erzählt, schüttelt sie den Kopf. Ständig werden ihr neue Aufgaben zugeteilt. Dazu kommt: Viele, zu viele, Entscheidungen muss sie absprechen. Die Folge: Ständig schiebt sie Unfertiges vor sich her, weil sie mit ihren Nachfragen irgendwo in den Hierarchien stecken bleibt. Die PR-Beraterin weiß vor Arbeit nicht ein und aus.

Gut arbeiten: Wer führt wen? Sozialpsychologe Dieter Frey würde auch Mitarbeiter schulen, wie sie ihre Chefs richtig führen.

Wer führt wen? Sozialpsychologe Dieter Frey würde auch Mitarbeiter schulen, wie sie ihre Chefs richtig führen.

(Foto: Foto: iStockphoto)

Auch Werner Rudolf hat seinen Arbeitsalltag so richtig satt. Auf den IT-Experten prasseln ständig Anforderungen aus den verschiedensten Abteilungen, Projekttermine werden viel zu kurzfristig gesetzt und sein Vorgesetzter, seiner Ansicht nach eine fachliche Niete, ist ihm eher Hindernis als Unterstützung.

Wenn Mitarbeiter über ihre Chefs klagen, nehmen sie kein Blatt vor den Mund. Christine Mau und Werner Rudolf tragen daher in Wirklichkeit auch einen anderen Namen, doch ihre Verzweiflung ist echt. Sie arbeiten eigentlich gern - und sind trotzdem frustriert. Aber die Situation, glauben sie, können sie nicht ändern. Es sei denn, sie wechseln den Job - aber wer weiß, wer dann den Ton angibt?

Die Chance, wieder eine Niete als Chef zu erwischen, ist groß: 57 Prozent der deutschen Beschäftigten werden von ihren Vorgesetzten unter Druck gesetzt. 40 Prozent bescheinigen ihrem Boss mangelhafte Konfliktlösungskompetenz, schlechte Arbeitsplanung und kaum Engagement im Bereich Mitarbeiterentwicklung. Das zeigt eine Umfrage unter 5400 Deutschen, im Auftrag von Inqa, einer "Initiative für neue Qualität in der Arbeit". Außerdem berichtet demnach jeder zweite über Unklarheiten und Widersprüchlichkeiten zwischen den Führungskräften "Der eine will dies, der andere genau das Gegenteil", sagt die Soziologin Tatjana Fuchs, die die Umfrage ausgewertet hat.

Der Sozialpsychologe Dieter Frey von der Ludwig-Maximilians-Universität in München geht davon aus, dass jede zweite Führungsposition schlecht oder falsch besetzt ist. "Deutsche Führungskräfte kennen oft die Sehnsüchte oder Ängste der Mitarbeiter nicht. Damit wird viel Potenzial vergeudet", sagt Frey.

Denn am Ende leidet immer die Arbeit. Schlechte Chefs frustrieren ihre Mitarbeiter statt sie zu motivieren. Das kann bis zur inneren Kündigung und sogar dem Burnout führen, falls zu sehr mit Druck gearbeitet wird.

Jochen Menges vom Institut für Führung und Personalmanagement an der Uni Sankt Gallen sagt , dass viele Chefs zu einem "Laisser-faire-Führungsstil" neigen. "Sie geben den Mitarbeitern wenig Orientierung zu langfristigen Zielen des Unternehmens und bemühen sich kaum, die Mitarbeiter zu motivieren", sagt Menges. Der ideale Führungsstil sei dagegen sowohl "zielorientiert" als auch "inspirierend".

Fünf Fähigkeiten zeichnen einen "inspirierenden" Chef Menges zufolge aus: Er kann anregen, neu über Situationen nachzudenken. Er hat die Fähigkeit, die Gruppenziele in den Vordergrund zu stellen und die Mitarbeiter dazu zu bringen, dass sie ihre eigenen Ziele hintenan stellen. Er stellt eine hohe Leistungserwartung an die Mitarbeiter. Er wendet sich Mitarbeitern unmittelbar zu. Und er tritt als Rollenmodell oder Vorbild auf.

Der Typ des "zielorientierten" Chefs setzt konkrete Ziele. Er begleitet Mitarbeiter, belohnt sie für positive Leistungen und weist sie für negative Leistungen zurecht. Und er sorgt dafür, dass die Anforderungen mit den Fähigkeiten der Mitarbeiter zusammenpassen.

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