Generation D Sicherheitsdenken hemmt bei der Gründung

Süddeutsche.de: Wie risikobereit sind die Deutschen?

Frey: Nicht besonders, das Sicherheitsdenken ist hier sehr ausgeprägt. Und das hemmt natürlich Menschen eher dabei, sich selbständig zu machen. Viele Deutsche wollen lieber alles vorgegeben und geplant haben, sie flüchten sich in einen Konzern oder versuchen, beim Staat unterzukommen. In den USA beispielsweise ist das ganz anders. Wenn man dort Studenten fragt, ob sie sich die Selbständigkeit vorstellen könnten, sind im Schnitt etwa 50 Prozent dazu bereit. In Deutschland sind es eher zehn Prozent. Das heißt nicht, dass wir keine Gründerpersönlichkeiten haben, die initiativ und klug sind. Aber es fehlt ab und zu der Mut zum Risiko.

Süddeutsche.de: Woher rührt dieses Sicherheitsdenken?

Frey: Darüber gibt es viele Spekulationen. Wer zweimal innerhalb eines Jahrhunderts das gesamte Geldvermögen verloren hat, klebt an Sicherheit. Außerdem führt die deutsche Perfektion dazu, dass man intolerant gegenüber Abweichungen wird. Wenn nicht alles hundertprozentig ist, fängt man es erst gar nicht an. Viele Menschen sehen die Ursachen darin im 30-jährigen Krieg. Kleinstaaterei mit vielen angrenzenden Ländern ist immer mit Kriegen verbunden. Das Volk sehnt sich dann nach einem starken Fürsten, der Frieden schafft. Diese Kriegsängste und der damit verbundene Hang zur Untertänigkeit fördern Angepasstheit und Sicherheitsdenken.

Süddeutsche.de: Was könnte den Deutschen Mut machen?

Frey: Man müsste ihnen klarmachen, dass zu viel Sicherheitsdenken zu Stillstand führt. Helfen könnten Vorbilder, die risikobereit waren und erfolgreich etwas Neues aufgebaut haben. Außerdem müssten die Deutschen erkennen, dass eine gute Balance wichtig ist, um nicht zu risikoreich zu agieren, aber auch nicht zu ängstlich. Das gilt für fast alle Entscheidungen im Leben, ob man nun einer Operation zustimmt, Geldanlagen wählt oder sich für eine Sportart entscheidet. Nichts ist total risikolos.

Süddeutsche.de: Bringen wir unseren Kindern von Anfang an etwas Falsches bei, wenn wir ihnen eintrichtern, sie sollen vorsichtig sein?

Frey: Mit Sicherheit könnte die Risikobereitschaft erhöht werden, wenn man schon in Kindergärten, Schulen und Universitäten Experimentierfreude stärker fördern würde und Kinder, Schüler und Studenten im Kleinen unternehmerisch aktiv werden lässt. Die Fantasie hat hier keine Grenzen: Recycling-Hefte verkaufen, Kuchen, Theaterkarten, Nachhilfe anbieten. Man muss den Leuten spielerisch beibringen, wie wichtig es ist, sich auf die eigenen Beine zu stellen.