Frauen im Beruf:Wie Männer von gleichberechtigten Frauen profitieren

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Fragt man Männer, was sie davon abhält, Gleichstellungsinitiativen zu unterstützen, äußern einige Befürchtungen, dass der Aufstieg von Frauen Nachteile für Männer bedeuten könnte. Unternehmen könnten diese Sorgen unabsichtlich verstärken, indem sie Maßnahmen ergreifen, die das Konkurrenzverhalten zwischen den Angestellten verschärft, Einzelkämpfer fördert und den Teamgeist zerstört. Doch selbst Männer mit einer "Ganz oder gar nicht"-Mentalität können großartige Anwälte des Wandels werden, wenn sie erkennen, dass jeder von Geschlechtergerechtigkeit profitiert.

Die Forschung zeigt auch, dass Männer in einem signifikanten Ausmaß persönlich davon profitieren, wenn sie an einem Ort arbeiten, an dem es keine Geschlechterdiskriminierung gibt: Sie sind gesünder, haben die Freiheit, sie selbst zu sein und die Möglichkeit, finanzielle Verantwortung mit ihrer Frau oder Partnerin zu teilen.

Unternehmen, die beim Thema Gleichberechtigung besonders erfolgreich sind, so wie die Gewinner des diesjährigen Catalyst-Awards, Alcoa, Coca Cola und Unilever, sind diejenigen, bei denen die relevanten Ziele ganz oben von der Unternehmensleitung definiert wurden und dann konsequent auf allen Ebenen eingeführt wurden. Dadurch wurde die Verantwortung für die Gleichstellung der Frauen auf das gesamte Unternehmen ausgedehnt.

Es gibt keine Patentlösung

Studie um Studie zeigt den Wert weiblicher Führung. Eine unserer Untersuchungsreihen zeigt, dass Unternehmen (aus der "Top 500"-Liste, die das Magazin Fortune jährlich für US-amerikanische Firmen veröffentlicht) mit mehr Frauen in Führungspositionen im Schnitt höhere Gewinne machen als solche mit einem niedrigeren Frauenanteil in Führungspositionen. Gemeint sind dabei Positionen in Verwaltungsräten und der Geschäftsführung.

Während sich die Euro-Krise verschärft und die Wirtschaft der 17 angeschlossenen Nationen ihren massivsten Abschwung seit 2009 erlebt, muss sich Europa darauf konzentrieren, ihre besten und hellsten Köpfe zu gewinnen, um seine Unternehmen zu leiten - ganz unabhängig vom Geschlecht.

Wir müssen die Hürden beseitigen, die Frauen zurückhalten. Es gibt keine Patentlösung, die in allen Organisationen und Kulturen gleich gut funktioniert. Aber wir können den Schritt vom Erkennen des Problems zum Handeln vollziehen, wenn wir die oft unbewussten Systemfehler identifiziert haben. Dann können talentierte Frauen sich stärker in der Unternehmensführung engagieren.

Die Botschaft ist einfach: Solange Frauen nicht einen gleichwertigen Anteil in der Arbeitswelt erreicht haben, werden sie weiter marginalisiert werden - und zwar in jedem gesellschaftlichen Bereich. Was gut ist für Frauen, ist auch gut für Männer und Familien, für Unternehmen, die Wirtschaft und die Gesellschaft. Lassen Sie uns zusammen an einen Wandel arbeiten, von dem wir alle profitieren werden.

Eleanor Tabi Haller-Jorden, 49, ist Senior Vice President von Catalyst Europe. Die gemeinnützige Organisation wurde 1962 in den USA gegründet und setzt sich weltweit für die Förderung von Frauen am Arbeitsplatz ein.

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