Gleichberechtigung:Hat die Finanzbranche für Frauen einen zu schlechten Ruf?

Bei den Ministerposten in den Ländern sind derweil die Grünen und die SPD Vorreiter. Die Sozialdemokraten und die Grünen stellen jeweils vier Wirtschafts- oder Finanzminister, bei den Grünen sind es damit sogar mehr Ministerinnen als Minister. Die Unionsparteien stellen jeweils nur eine Wirtschafts- oder Finanzministerin.

In der Geldpolitik scheint die Lage noch prekärer. Mit Sabine Lautenschläger ist zwar eine Frau im sechsköpfigen Direktorium der Europäischen Zentralbank (EZB) vertreten. Ausgerechnet sie aber könnte ihren Posten aufgeben müssen, falls mit Bundesbankchef Jens Weidmann 2019 ein Deutscher EZB-Präsident würde. Schließlich soll das Gremium mit Vertretern unterschiedlicher Nationen besetzt sein.

Ein reiner Männerverein aber soll die EZB-Führung auch nicht wieder werden, weswegen man nun auf der Suche nach Geldpolitikerinnen ist. Ganz in diesem Sinne hat Frankreichs Präsident Emmanuel Macron sein Land jetzt in eine strategisch gute Position gebracht. Er hat die liberale Europa-Abgeordnete Sylvie Goulard, die unter ihm kurzzeitig als Verteidigungsministerin diente, zur Vize-Notenbankgouverneurin ernannt. Damit steht 2019 eine Französin bereit, an die EZB-Spitze zu rücken.

Gleichberechtigung: Sie könnte ein Vorbild werden: Die französische Europa-Abgeordnete Sylvie Goulard ist als neue Chefin der Europäischen Zentralbank im Gespräch.

Sie könnte ein Vorbild werden: Die französische Europa-Abgeordnete Sylvie Goulard ist als neue Chefin der Europäischen Zentralbank im Gespräch.

(Foto: Joel Saget/AFP)

Bereits 2012 führte Goulard eine Kampagne des Europaparlaments an, die eine Frau für das EZB-Direktorium forderte. Vom damaligen EU-Ratspräsidenten Herman Van Rompuy verlangte die Französin damals, "dass unverzüglich mindestens eine Frau in die EZB" aufsteigen solle. Der Europäische Rat möge "sicherstellen, dass die Diskriminierungen" aufhörten. Mit Verzögerung stieg dann tatsächlich die erste Frau in das Direktorium auf.

Vorbilder helfen beim Einstieg in das Bankengeschäft

Die Gründe für die "Vorbilder-Lücke" sind bekanntlich vielschichtig. Speziell die Finanzbranche aber hat womöglich auch einen viel zu schlechten Ruf, um Frauen zu begeistern. Zu diesem Schluss kam jedenfalls gerade eine Studie der Universität Mannheim, wonach sich Frauen etwa von der Fondsbranche regelrecht abgeschreckt fühlen. Befragt wurden mehr als 1 100 Studenten und Studentinnen aus wirtschaftswissenschaftlichen Studiengängen der Unis Mannheim, Frankfurt und der Hochschule St. Gallen. Knapp die Hälfte der Befragten war weiblich, das Durchschnittsalter lag bei 23 Jahren.

Dass die Finanzbranche ein schlechtes Image hat, war sowohl den weiblichen als auch den männlichen Studenten bewusst. Doch die Männer schreckte das nicht: Sie fanden dennoch, dass die Finanzindustrie ein guter Arbeitgeber ist. Frauen sahen das anders. Dass die Branche bisher männerdominiert ist, empfand fast die Hälfte der Studentinnen als abschreckend. Die Studentinnen scheuten auch die aus ihrer Sicht mangelnde Vereinbarkeit der Branche mit eigenen Moralvorstellungen.

Comdirect-Managerin Schoon hatte das Glück, dass sie von ihren Eltern (die Mutter hat ebenfalls eine Bankausbildung) wie selbstverständlich an das Thema Finanzen herangeführt wurde. Gleich mit der Volljährigkeit begannen Vater und Tochter sogar ein wenig, Aktien am Neuen Markt zu handeln. Natürlich verloren beide dabei auch Geld, aber sie gewannen auch Erfahrung, und Schoon die Lust auf einen Job im Bankgeschäft - eine Entscheidung, die sie bisher nicht bereut hat.

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