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Netzwerken:Blind Date in der Mittagspause

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Mit Tools wie "Lunch Roulette" oder "Mystery Lunch" können sich Mitarbeiter anonym verabreden.

(Foto: Florian Küttler/imago)

Jeden Tag mit denselben Kollegen in die Kantine? Wer das ändern will, kann sich in manchen Betrieben neue Bekanntschaften fürs Mittagessen vermitteln lassen. Aber klappt das auch?

Freitags Fisch und die Pläne fürs Wochenende, montags Eintopf und die Erlebnisse vom Wochenende - Kantinengespräche im immer gleichen Kollegenkreis sind oft ziemlich vorhersehbar. Für mehr Abwechslung sorgen seit einigen Jahren Software-Tools, die nach einem einfachen Prinzip funktionieren: Man meldet sich auf einer Plattform an und bekommt vom Algorithmus für einen ausgewählten Tag einen Essenspartner vermittelt, der in einer anderen Abteilung arbeitet.

Fiona Starke, Nachhaltigkeitsmanagerin bei der Flughafen München GmbH, verabredet sich alle zwei Wochen über das unternehmensinterne "Mittagsroulette" mit Kollegen, die sie noch nicht kennt. "So komme ich mehr herum und lerne Bereiche kennen, die ich vorher gar nicht auf dem Schirm hatte", sagt die 25-Jährige. "Besonders interessant ist der Kontakt zu Kolleginnen und Kollegen, die direkt mit dem Flugbetrieb zu tun haben, denn davon bin ich in meinem Büro sonst ziemlich weit weg." Mit einigen der neuen Bekannten trifft sie sich seit dem Kennenlernen regelmäßig zum Essen: "Mein nächster freier Lunchtermin ist in sechs Wochen."

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In Zeiten, in denen alle von Vernetzung sprechen und nichts so gefürchtet wird wie das "Silodenken" einzelner Abteilungen, suchen vor allem große Unternehmen nach Möglichkeiten, den übergreifenden Austausch ihrer Mitarbeiter zu fördern. Die Idee der Lunchdates nach dem Zufallsprinzip kam vor ein paar Jahren fast gleichzeitig in den USA und in Deutschland auf, wo 2013 das Start-up "Mystery Minds" entstand. Nach Angaben der beiden Gründer wurden seither mehr als 100 000 Treffen mit ihrer Software Mystery Lunch organisiert. Zu den Kunden gehören neben dem Münchner Flughafen unter anderem die Allianz, die Telekom oder der Pharmahersteller MSD Sharp & Dohme.

200 Teilnehmer aus 70 Abteilungen

Martin Wilke, der dort für Weiterbildung und Personalentwicklung zuständig ist, hat Mystery Lunch vor gut zwei Jahren bei MSD eingeführt. "Es ist nicht nur für das Betriebsklima gut, wenn sich Mitarbeiter aus verschiedenen Abteilungen vernetzen", sagt er. "Sie verstehen dann auch besser, wie das Unternehmen funktioniert und wie eine Aufgabe aus verschiedenen Perspektiven aussieht." Eine Medizinerin, die ein neues Arzneimittel entwickle, habe eine andere Sichtweise als ein Experte für das Zulassungsverfahren, aber beide Perspektiven seien wichtig für den Geschäftserfolg. "Menschen, die sich kennen, arbeiten einfach besser zusammen und treffen bessere Entscheidungen", sagt Wilke.

Der Bachelor-Absolvent Niklas Becher macht seit sieben Monaten ein Praktikum bei MSD und hat schon viele Kollegen über Mystery Lunch kennengelernt. Für ihn sei das "Gold wert", sagt er: "Ich bin ein kommunikativer Mensch und gehe auch sonst auf Leute zu. Aber normalerweise lernt man nur die kennen, die auf demselben Stockwerk arbeiten. Ein Mystery Lunch ist ein Türöffner für etwas Neues!"

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Die Mischung aus beruflichen und privaten Gesprächsthemen sei jedes Mal anders: Eine Mitarbeiterin aus dem Marketing brachte Niklas Becher auf die Idee, auch mal den Harry-Potter-Sport Quidditch auszuprobieren. Andere Kontakte erwiesen sich als nützlich im Arbeitsalltag: "Bei einem Mystery Lunch habe ich einen Kollegen aus der klinischen Forschung kennengelernt", erzählt Becher. "Wir im Accounting verbuchen deren Rechnungen. Als ich dazu mal eine Frage hatte, konnte ich mich direkt an ihn wenden."

Fast ein Drittel der etwa 600 Innendienstmitarbeiter am MSD-Standort Haar haben sich auf der Plattform registriert - ein ungewöhnlich hoher Anteil, der wohl auch darauf zurückzuführen ist, dass in der Pharmaindustrie besonders viele Akademiker arbeiten. Denn es ist zu vermuten, dass hoch qualifizierte Mitarbeiter auch am stärksten an karrierefördernder Vernetzung interessiert sind. Bei den meisten Unternehmen, die das Tool verwenden, machen zwischen zehn und 25 Prozent der Belegschaft mit.

Bei der Münchner Flughafen GmbH ist der Anteil deutlich niedriger. "Für Mitarbeiter, die Schichtdienst haben oder auf dem Vorfeld arbeiten, sind solche Treffen schwerer zu organisieren", erklärt Andreas Mauer, Leiter Markenmanagement und Innovation. Auch die sehr großen Entfernungen auf dem Flughafengelände seien ein Hindernis. Trotzdem ist er zufrieden, weil die etwa 200 Teilnehmer immerhin aus 70 verschiedenen Abteilungen kämen.