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Ehrenamtliches Engagement:Hilfe, die sich auszahlt

Seemann war es, der Sybille Metzler in ihrer schweren Zeit zur Seite stand. "Ich habe jemanden gebraucht, der einfach nur mal zuhört", sagt die 44-Jährige heute. Sie ließ sich überzeugen, wie gut es doch wäre, wenn Mitarbeiter Mitarbeitern beistehen. "Sich in einem leistungsbezogenen Unternehmen zu outen, dass man jetzt jede Nacht aufstehen und den Vati einfangen muss, weil der seinen Schlaf-Wach-Rhythmus gewechselt hat, das ist schwer", sagt Seemann. Und so stand am Beginn die Überzeugungsarbeit - auch in Richtung Kollegen.

Esther Loidl, die Personalleiterin der Brose Gruppe, spricht von einer Win-Win-Situation. Die soziale Komponente, die bereits bei den sehr flexiblen und variablen Arbeitszeiten beginne, nutze letztlich auch dem Unternehmen - "selbst, wenn sich das nicht in Euros umrechnen lässt". Stehe ein Mitarbeiter unter familiär bedingten Belastungen, so wirke sich das ja auch auf das Arbeitsleben aus. Also glaubt sie an das Motto: "Regle deine Probleme, wir unterstützen dich dabei - und du kannst dich in der Zeit, in der du arbeitest, voll einbringen."

Dazu gehört auch, dass die Hilfe rasch ansetzen kann. Das Netzwerk von Brose schließt die sozialen Angebote der Wohlfahrtsverbände wie Caritas oder Rotes Kreuz voll mit ein. "Wir haben Verträge mit den lokalen Partnern und können deshalb unsere Mitarbeiter schnell vermitteln", sagt Loidl. Eine Schuldnerberatung ist so eben nicht erst nach drei Wochen Wartezeit möglich, sondern bereits nach wenigen Tagen. Brose sei dabei, dieses System Zug um Zug in all seinen Niederlassungen zu etablieren - nicht nur in Deutschland, sondern weltweit. Es mache Spaß, bei Brose im Personalwesen zu arbeiten, betont Loidl: "Man hat hier die Freiheit, auch solche Wege zu gehen." Seemann sagt über den Firmen-Patriarchen Stoschek: "Ich erlebe ihn seit 30 Jahren als jemanden, der mit einem sehr hohen sozialen Engagement unterwegs ist."

Nun ist allerdings auch Brose keine Insel der Seligen. Geradezu legendär sind die Auseinandersetzungen mit der IG Metall. 2006 trat Brose aus dem Verband der Bayerischen Metall- und Elektroindustrie aus und ist seitdem ohne Tarifbindung. Michael Stoschek, 64, gilt nicht gerade als Mensch mit allzu großer Beißhemmung. Sein Zerwürfnis mit dem Coburger Oberbürgermeister Norbert Kastner füllt Zeitungsaufmacher, die geplante Verlagerung von Arbeitsplätzen vom Stammsitz Coburg nach Bamberg ordnen viele dieser intensiv gepflegten Männerfeindschaft zu. "Ein Haudegen alter Schule, eigenwillig. Einer, der ab einem gewissen Punkt nur noch in Freund oder Feind unterscheidet", so beschreibt ihn jemand, der ihn seit längerem journalistisch begleitet. Aber eben auch jemand, der anderen Menschen beistehen will: Nach dem verheerenden Brand in der Coburger Innenstadt stellten die Brose-Gesellschafter kürzlich den Opfern fünf Millionen Euro zur schnellen Hilfe bereit.

© SZ vom 12.06.2012/wolf

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