bedeckt München
vgwortpixel

Die Zukunft der Arbeit:Neuer Mittelstand

Berufe mit Zukunft

Karriere, wir kommen

8. Ein neuer Typus des Mittelstands entsteht

Die Grenzen zwischen Arbeitnehmer und Unternehmer verschwimmen, selbständige Tätigkeiten nehmen zu: Alleinunternehmer, Solo-Anbieter formen den Typus des neuen Mittelstandes. Noch sind in Deutschland nur etwa elf Prozent aller Erwerbstätigen selbständig. Dies wird sich ändern. Vor allem Frauen haben Nachholbedarf; sie stellen derzeit weniger als ein Drittel aller Selbständigen. Der gesamte Mittelstand, der wichtigste Jobmotor auch in Zukunft, wird den demographischen Wandel massiv zu spüren bekommen.

Viele kleine und mittlere Familienbetriebe, die eher in der Provinz verwurzelt sind, haben im Kampf um die besten Köpfe das Nachsehen, wenn sie nicht aktiv dagegen halten. Sie brauchen Demographie-Berater, die ihnen beim Personalmanagement helfen. In Ländern wie Belgien unterstützen Diversitätsberater schon jetzt mittelständische Betriebe bei der Rekrutierung und Aufnahme von Ausländern.

9. In der Lohnpolitik wird Mitarbeiterbindung wichtiger

Mit dem knapper werdenden Angebot an Fachkräften steigen die Löhne - je nach Branche und Region unterschiedlich stark. Vor allem leistungs- und ergebnisabhängige Erfolgsprämien und Einmalzahlungen werden damit zunehmen. Zugleich rücken neue Vergütungsmodelle nach vorn, die sich weniger am kurzfristigen Unternehmenserfolg ausrichten als vielmehr daran, qualifizierte Köpfe langfristig an den Betrieb zu binden. Programme zur Mitarbeiterkapitalbeteiligung bekommen neue Konjunktur.

10. Bildung ist die beste Beschäftigungspolitik

Bildung ist die beste Investition in eine moderne Beschäftigungspolitik. Deutschland liegt im OECD-Vergleich mit seinen Bildungsausgaben nur auf Rang 23 unter den 27 wichtigsten Ländern. Die Folgekosten unzureichender Bildung und damit entgangenes Wirtschaftswachstum werden allein bis 2043 auf mehr als 311 Milliarden Euro (mehr als der heutige Bundeshaushalt) geschätzt.

Die Studienquote zum Beispiel reicht nicht aus, um den Bedarf an Hochqualifizierten zu decken. Auch sind die Übergangsphasen beim Berufseinstieg zu lang - und sie werden immer länger. Wie erreichen wir eine bessere Qualifizierung und Aktivierung jener, die bisher auf dem Arbeitsmarkt zu wenig Chancen haben? Den Sockel von derzeit mehr als 2,2 Millionen Langzeitarbeitslosen kann auch der demographische Wandel nicht einfach auflösen.

Klaus F. Zimmermann ist Professor für Wirtschaftliche Staatswissenschaften an der Uni Bonn, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin und Direktor des Instituts zur Zukunft der Arbeit (IZA) in Bonn.

Die besten Unis weltweit

Schnuppern am Erfolg