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Corporate Volunteering:Soziales Engagement, unterstützt vom Arbeitgeber

Projektmanagerin Carolin Lerch packt zweimal im Monat in einem Kinderheim an - unterstützt von ihrem Arbeitgeber, der Pharmafirma MSD.

(Foto: privat)
  • Immer mehr Unternehmen unterstützen das soziale Engagement ihrer Mitarbeiter: Das nennt sich "Corporate Volunteering".
  • Alle zwei Wochen in einem Kinderheim arbeiten oder ein halbes Jahr in Bulgarien Spenden sammeln - die Möglichkeiten sind vielfältig.
  • Experten halten vor allem ein langfristiges Engagement für sinnvoll.

Jeden zweiten Donnerstag tauscht Carolin Lerch ihr lichtdurchflutetes Büro vor den Toren Münchens gegen einen vollgestopften Kellerraum im Nachbarort Putzbrunn. Von der Deutschlandzentrale des Pharmaunternehmens MSD fährt die 27 Jahre alte Projektmanagerin dann mit dem BMW zum Clemens-Maria-Kinderheim und öffnet die Türe zum Kellerlager.

Hier stapeln sich gespendete Hosen, Hemden und Schlafanzüge bis zur Decke. Mittendrin steht Lerch im schwarzen Businessrock und Blümchen-Shirt. Voller Stolz zeigt sie die "Quiksilver-Jacken und Adidas-Schuhe", die sie für ein paar Cent verkauft. Doch hier geht es nicht um Business: "Die Kinder müssen nur bezahlen, damit sie lernen, dass Klamotten etwas kosten."

Lerch ist so etwas wie die Store-Managerin im Second-Hand-Laden des Kinderheims. Hier kann sie anpacken und findet sich für eine Stunde in einer ganz anderen Welt wieder: "Es erdet mich, wenn ich die Kinder sehe, denen es nicht ganz so gut geht." Dieses gute Gefühl finanziert ihr Arbeitgeber. MSD bietet allen 1800 Mitarbeitern ein sogenanntes Corporate Volunteering-Programm: 20 Stunden pro Jahr dürfen sie dem Büro entfliehen und sich sozial engagieren. Währenddessen bekommen sie das volle Gehalt.

Viele Menschen wollen spüren, dass sie etwas bewegen können

Immer mehr Unternehmen in Deutschland nutzen solche Programme. Ob Allianz, Microsoft, Deutsche Bank, RWE oder Adidas - nach Zahlen des Bundes setzten schon im Jahr 2013 drei Viertel der Großunternehmen in Deutschland auf Corporate Volunteering. Die Strategie stammt aus den USA und gilt mittlerweile auch hierzulande unter Personalern und PR-Managern als Allzweckmittel: Corporate Volunteering ist gut fürs Image, trainiert die sozialen Fähigkeiten der Mitarbeiter und motiviert sie.

Dahinter steht die Erkenntnis: Viele Menschen wollen spüren, dass sie etwas bewegen können. Sie wollen Sinnvolles schaffen und kein Leben als Bürosklaven fristen. Ein gutes Gehalt und ein schicker Wagen reichen nicht mehr - gerade Unternehmen, welche die besten Mitarbeiter an sich binden wollen, müssen mehr als nur Materielles bieten.

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Regina Heeg ist seit vier Jahren Helferin bei der Tafel, auch ihre 15-jährige Tochter engagiert sich ehrenamtlich. Nicht immer stößt ihr Engagement auf Verständnis.   Von Manuel Kronenberg

MSD engagiert sich seit mehreren Jahren in der Region, andere Unternehmen veranstalten einmal im Jahr sogenannte Social Days, bei denen Hunderte Kollegen einen Tag lang gemeinsam anpacken und etwa einen Spielplatz bauen. Bei den etwas spezieller ausgerichteten Mentoring- und Pro-bono-Programmen nutzen Mitarbeiter ihre beruflichen Fähigkeiten. Sie helfen mit dem, was sie besonders gut können.