Arroganztraining für Frauen:Männer und Frauen verstehen sich nicht

SZ: Und wie lernt man, solche Sprüche zu klopfen?

Modler: In meinen Seminaren stellen wir die Situationen in Rollenspielen nach. Ich bringe dafür einen Mann mit, der die Konflikte nicht kennt. Mit ihm können die Frauen die Bandbreite der Reaktionen durchspielen. Es zeigt sich dabei immer wieder, dass Frauen der Meinung sind, bei einem bestimmten Verhalten schroff oder unhöflich zu sein. Bei dem beteiligten Mann kommt es aber meist einfach als klare Ansage an.

SZ: Woher kommt es, dass Männer und Frauen so unterschiedlich kommunizieren?

Modler: Es gibt Untersuchungen von der Soziolinguistin Deborah Tannen, die die Sprache von Männern und Frauen erforscht. Laut Tannen trifft da ein horizontales auf ein vertikales Sprachsystem. Das horizontale System trainieren sich schon kleine Mädchen an. Da werden Informationen in der Gruppe gleichmäßig verteilt; ich erzähle dir meine Geheimnisse, du erzählst mir deine. Niemand soll sein Gesicht verlieren. Wenn ein Mädchen chefmäßig auftritt, mögen das die anderen nicht. Das kann bis zum Ausschluss aus der Gruppe führen.

SZ: Und die kleinen Jungen markieren im Sandkasten gerne mal den Chef?

Modler: Jungs rangeln ständig miteinander. Sie sind permanent dabei, herauszufinden, wo ihr Rang in der Gruppe ist. Das muss nicht der erste Rang sein, aber einen bestimmten Platz in der Gruppe zu haben, ist für sie stresslindernd. Wenn sie erwachsen sind, läuft das zwar indirekter, das Prinzip ist aber geblieben.

SZ: Und diese Sprachsysteme setzen sich am Arbeitsplatz fort?

Modler: Ja. Frauen suchen in Gruppen oft den Ausgleich. Sie versuchen zu verstehen, warum sich jemand so und so verhält und wollen mit sachlichen Argumenten überzeugen. Die Rangbotschaften der Männer finden aber auf einer anderen Ebene statt. Frauen nehmen das oft gar nicht wahr, und das ist ihr Dilemma.

SZ: Und wie kann man diese Muster durchbrechen?

Modler: Die entscheidenden Konflikte spielen sich in den ersten Wochen ab. Wenn eine neue Chefin kommt, wollen Männer testen: Benimmt sie sich entsprechend? Gibt sie Themen vor? Unterbricht sie jemanden, wie sie es dürfte? Oder lässt sie sich aufs Glatteis führen und stellt dauernd freundliche Nachfragen? Für Männer bedeutet das: Sie ist keine wirkliche Chefin, die will nur nett sein. Solange sie die Rangordnung nicht selbst lebt, tanzen sie ihr auf der Nase herum.

SZ: Wie wichtig sind Körpersprache und Statussymbole?

Modler: Sehr wichtig. Wenn Männer hören, wie jemand auf dem Gang mit kleinen, schnellen Schritten vorbeiläuft, denken die meisten: Da kommt 'ne Tippse. Haben Sie jemals Angela Merkel rennen sehen? Ich nicht. Eine Chefin rennt nicht. Sie lässt andere für sich rennen. Und auch wenn viele Frauen es lächerlich finden: Sie sollten das größte Büro, den dicksten Dienstwagen und den Parkplatz direkt vor dem Eingang beanspruchen. Wenn jemand auf ihrem Parkplatz steht - sofort abschleppen lassen, Revier verteidigen!

SZ: Woher kommt eigentlich Ihr Eifer, Frauen die Sprache der Männer beizubringen?

Modler: Ich habe als Unternehmensberater viele Firmen saniert und immer wieder erlebt, dass kompetente Frauen auf lächerlichen Abschiebeplätzen gelandet sind. Da war jemand Schreibkraft in der Vertriebsabteilung, die hätte den Vertrieb leiten können. Eine Frau mit einer tollen Marketing-Ausbildung saß an der Pforte. Vermutlich war das auch ein Grund, warum es den Firmen so schlecht ging. Sie haben das Potential der Frauen einfach nicht zu nutzen gewusst.

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