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Aktionstag "Kollege Hund":Werdet doch Förster!

Bürohund

Gehört nicht ins Büro: müffelnder Hund

(Foto: Illustration: Yinfinity)
  • Bereits seit einigen Jahren ruft der Deutsche Tierschutzbund im Rahmen des Aktionstages "Kollege Hund" Unternehmen dazu auf, sich tierfreundlich zu zeigen.
  • Mitarbeiter sollen so die Möglichkeit bekommen, ihren Hund mit ins Büro zu nehmen - an den meisten Arbeitsplätzen Deutschlands ist das verboten.
  • Lesen Sie hier, warum Hunde nichts im Büro verloren haben.

Von Dorothea Grass

Es ist nicht so, dass ich etwas gegen Hunde hätte. Im Gegenteil. Meine zwei besten Freundinnen, die ich seit der Schule kenne, hatten welche. Alf war ein origineller kleiner Jagdhund, der Freundin A ihren Liebeskummer regelmäßig anmerkte, wenn sie nur um die Ecke bog. Chiva, Eurasier-Hündin von Freundin B, war eine stolze Königin, die laut bellen konnte, weil sie in der Tiefe ihres Herzens eine Schisserin war. Ich mochte sie, sie gehörten dazu.

Aber nie wäre ein Elternteil von meinen Freundinnen darauf gekommen, die Hunde mit ins Büro zu nehmen. Wozu auch? Was sollten sie da? Die typische Bürolandschaft bietet in der Regel wenig Auslauf. Wenn die Menschen schon mit ihrem Schreibtisch als unnatürlichen Aktionsradius zurechtkommen müssen, wie mag es da erst dem Tier mit der Beengung gehen? Abgesehen von den Gefahren, die da lauern: Stromkabel, die zerbissen werden könnten, rollende Stuhlbeine und Pfennigabsätze unter die so eine Hundepfote schnell mal gelangen könnte oder schwere Feuerschutztüren mit automatischem Schließmechanismus - wie gemacht für eingeklemmte Hundeschwänze.

Rechtliche Situation

Es gibt kein Gesetz, dass die Anwesenheit eines Hundes in deutschen Büros verbietet. Die Entscheidung, ob der Vierbeiner mitgebracht werden darf, liegt allein beim Arbeitgeber (Direktionsrecht). Ausnahmsweise kann so etwas auch bei größeren Unternehmen mit Betriebsrat in einer Betriebsvereinbarung geregelt sein. Im Hochhaus der SZ sind Hunde grundsätzlich nicht erlaubt.

2014 hat das Landesarbeitsgericht Düsseldorf entschieden, dass der Arbeitgeber die Einwilligung, dass der Hund mit ins Büro darf, jederzeit zurücknehmen darf, wenn betriebliche Abläufe durch das Tier gestört werden.

Hunde bei der Arbeit: Das geht meiner Meinung nach nur, wenn man Landwirt ist oder Förster oder einer anderen, selbstbestimmten Tätigkeit an der frischen Luft nachgeht. Alles andere ist eine Qual für das Tier - wenn es nicht zu der Sorte der degenerierten Schoßhündchen gehört, die Waldwege nur aus dem Vorabendprogramm kennen.

Es gibt für ein Tier schöneres, als seinen Tag neben Schreibtischtätern zu verbringen. Auch für den Menschen kann das unangenehm sein.

  • Denn erstens: Das Tier riecht, nicht nur aus dem Maul, sondern auch allgemein und ganz besonders, wenn es aus dem Regen kommt. Tiergeruch ist oft schon in öffentlichen Verkehrsmitteln nur schwer auszuhalten - besonders für olfaktorisch sensible Menschen.
  • Zweitens: Das Tier schmutzt. Je nach Größe leiden darunter weiße Wände oder auch der sauber gebügelte Bürozwirn.
  • Drittens: Das Tier ist ein Tier und bleibt in der Konsequenz unberechenbar. Jüngere Hunde pinkeln gerne mal auf Teppichböden, ungezogene springen die Menschen an. Die anderen schnüffeln mehr oder weniger aufdringlich an den Menschen und ihren diversen Körperteilen, zerrupfen Zimmerpflanzen, spielen mit dem Inhalt von Papierkörben oder werfen mal ein Bellen dazwischen.
  • Viertens: Für Tierhaarallergiker ist ein Vierbeiner im Büro nicht witzig.
  • Fünftens: Es soll tatsächlich noch Leute geben, die Angst vor Hunden haben. Und auf eine Gratis-Konfrontationstherapie bei der Arbeit stehen die wenigsten.

Ich kann die Einwände der "Kollege Hund"-Befürworter schon hören. "Hundefeindin!" werden sie rufen. "Ein Tier wirkt so ausgleichend! Es fördert Kollegialität! Das Arbeitsklima! Es animiert zu Auszeiten an der frischen Luft! Zu mehr Bewegung und Wohlbefinden!" Ich sage: Das geht auch anders. Und: Gebt endlich zu, dass ihr in Wahrheit nur an euch und eure Bequemlichkeit denkt, wenn ihr euren Hund mit ins Büro nehmt.

P.S. Sollte dennoch irgendein Personaler mal auf den Gedanken kommen, Bürohunde bei der SZ einführen zu wollen, werde ich meine Kollegen dazu aufrufen, ihre Babys, Krabbel- und Kindergartenkinder mit ins Büro zu nehmen. Na? Spürt da schon einer die innere Ausgeglichenheit?

Lesen Sie hier das Pro zum Bürohund:

© SZ.de/mkoh/rus
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