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Akademiker auf dem Arbeitsmarkt:Ohne Ausbildung wird es schwer

Generell gilt heute wie vor 30 Jahren: Je höher gebildet jemand ist, desto unabhängiger ist er von der Konjunktur. Ulrich Goldschmidt bestätigt das: "Die Hochschulabsolventen sagen uns, dass sie inzwischen zumeist wieder problemlos einen Arbeitsplatz finden."

Goldschmidt ist Hauptgeschäftsführer beim Berufsverband Die Führungskräfte, einem Netzwerk von etwa 20.000 Managern aus deutschen Firmen. Allerdings, so beobachtet der Arbeitsrechtler, werden viele junge Leute erst einmal befristet eingestellt. "Vor allem Mittelständler sichern sich gerne auf diese Art ab, wenn sie nicht wissen, wie es wirtschaftlich in einem halben Jahr bei ihnen aussieht."

Die Politik hat mit den Hartz-Reformen die Befristung von Arbeitsverhältnissen erleichtert. Diese und viele andere Maßnahmen sollten mehr Menschen in Lohn und Brot bringen. Und die Rechnung ist aufgegangen. Die Rekordarbeitslosigkeit von fast fünf Millionen Menschen im Jahr 2005 sank - trotz der Rezession im vorigen Jahr - auf 3,4 Millionen.

Sozialer Sprengstoff

Zugleich stieg der Anteil atypisch Beschäftigter (darunter Befristungen, Zeitarbeit, Teilzeit) an den Erwerbstätigen: von 16 Prozent 1998 auf 22 Prozent 2008. Jeder elfte Arbeitsvertrag hat ein Verfallsdatum, errechnete das Statistische Bundesamt im Wiesbaden.

Die Zahlen sind niedriger, als oft vermutet wird. Ein Massentrend ist es jedenfalls nicht. Doch die flexiblen Instrumente erleichtern den Firmen die Personalplanung und vielen Berufseinsteigern den Start in den Job. Natürlich bleiben manche in den unsicheren Arbeitsverhältnissen stecken: Etwa wenn bestimmte Berufe nicht mehr gefragt sind oder Maschinen die bislang von Menschen verrichtete Arbeit übernehmen.

Menschen mit niedriger Qualifikation und junge Leute ohne Ausbildung haben es am Arbeitsmarkt besonders schwer. In Deutschland nehme die Zahl ausgegrenzter Jugendlicher zu, warnt das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim. Dies hat gesellschaftliche Folgen und birgt sozialen Sprengstoff, wenn immer mehr Jugendliche keine Schule besuchen, keiner Erwerbstätigkeit nachgehen und keine festen, länger dauernden Freundschaften haben.

Der Münchner Bildungsökonom Ludger Wößmann fordert daher, die Bildungsausgaben gezielt für benachteiligte Kinder einzusetzen. Schon im Kindergarten sollte damit begonnen werden, diese Kinder zu fördern.

© SZ vom 18.06.2010/stl/mel
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