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Zum Tod von Prince:Fentanyl - extrem schmerzstillend, extrem gefährlich

US-Popstar Prince

US-Musiker Prince soll an einer Überdosis Fentanyl gestorben sein.

(Foto: dpa)
  • Fentanyl gilt als eines der stärkstes Schmerzmittel der Medizin.
  • Es ist ein extrem schmerzlinderes und einschläferndes Medikament.
  • Gefährlichste Nebenwirkung: Die Atmung setzt aus.

Der Tod des Musikers Prince ist die Folge des falsch dosierten Schmerzmittels Fentanyl. Es ist nicht verwunderlich, dass der Popstar eine Überdosis dieses Opioids nicht überlebt hat, denn Fentanyl gilt als eines der stärksten Schmerzmittel der Medizin. Es wirkt je nach Dosis und Qualität etwa 100 bis 120 Mal stärker als Morphin, das ebenfalls häufig in der Schmerzmedizin zum Einsatz kommt. Bei Fentanyl ist also eine viel niedrigere Dosis nötig, um eine ähnliche Wirkung zu erreichen.

Die Opioide Morphin und Fentanyl erzielen im Körper ähnliche Wirkungen. Fentanyl ist ein extrem schmerzlinderndes und beruhigendes Medikament, das in der Notfallmedizin bei schweren Verletzungen wie zum Beispiel offenen Knochenbrüchen zum Einsatz kommt. Anästhesisten verwenden Fentanyl oftmals zur Narkose. Auch in der Krebsmedizin verwenden Ärzte Fentanyl, wenn Patienten durch einen Tumor extreme Schmerzen spüren.

Potent - und extrem gefährlich

Weil dieses Medikament, das in den 1960er-Jahren entwickelt wurde, so potent ist, ist es auch sehr gefährlich. Schon eine vergleichbar geringe Dosis führt dazu, dass die Atmung eines Patienten gedämpft wird oder ganz zum Erliegen kommt. Ohne ärztliche Aufsicht, wie wohl im Fall des verstorbenen Musikers Prince, erstickt der Patient, wenn er nicht rechtzeitig künstlich beatmet wird. Deshalb unterliegt Fentanyl dem Betäubungsmittelgesetz und wird nur in Ausnahmefällen verschrieben. Als Gegenmittel wirkt das Medikament Naloxon, das die Wirkung des Opioids aufhebt.

Fentanyl greift in der Regel wenig in denKreislauf ein, je nach Dosis kann sich aber der Herzschlag verringern und der Blutdruck absinken. Das Medikament wirkt schon nach wenigen Minuten. Allerdings eignet es sich kaum als Rauschmittel, da die beruhigende, einschläfernde Wirkung einen möglichen Trip überschattet. Dennoch melden Behörden, insbesondere in den USA, einen Anstieg von Fällen mit Fentanyl-Missbrauch. Das Suchtpotential ist bei regelmäßiger Anwendung hoch, ebenso Nebenwirkungen wie beispielsweise Verdauungsprobleme und Schäden am Nervensystem.

Die US-Gesundheitsbehörde CDC schätzt, dass 2013 zwei Millionen Amerikaner von Opioid-haltigen Medikamenten wie Fentanyl abhängig waren. Die Verschreibungen der Schmerzmittel haben sich seit der Jahrtausendwende verdreifacht - ebenso die Todesfälle. 2014 stieg die Zahl der Toten durch Opioid-Schmerzmittel und durch das Comeback des chemisch eng verwandten Heroins auf den traurigen Rekord von mehr als 28 400 Menschen an.

© SZ.de/fehu/mit Material von dpa/bart/mikö
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