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Gerichtsmedizin:Popstar Prince starb an einer Schmerzmittel-Überdosis

  • Bereits wenige Tage nach dem Tod des Musikers konzentrierten sich die Ermittlungen auf die Frage, ob er an einer Überdosis starb.
  • Die Spekulationen waren auch wegen der beiden Konzerte in Atlanta eine Woche vor seinem Tod entstanden, bei denen Prince erschöpft und müde gewirkt hatte.
  • Der Musiker stand im Ruf, überaus gesund zu leben und auf Alkohol und Drogen zu verzichten.

Es war, als hätte Prince geahnt, dass er nicht mehr lange leben würde. Am 16. April veranstaltete er eine Party in seiner Villa in Minneapolis. Er trat selbst kurz auf, zeigte den Gästen sein neues lilafarbenes Klavier und entschuldigte sich dafür, dass seine Stimme durch eine Grippe geschwächt sei. Dann sagte er: "Wartet noch ein bisschen, bevor Ihr für mich betet." Eine Woche später wurde Prince leblos in seinem Haus im Bundesstaat Minnesota gefunden. Er wurde 57 Jahre alt.

Einige der teils wilden Spekulationen um den Tod des Popstars scheinen sich nun zu bewahrheiten: Der Musiker starb an einer Überdosis des starken Schmerzmittels Fentanyl. Das geht aus einem Autopsiebericht der Gerichtsmedizin im US-Staat Minnesota hervor, der am Donnerstag veröffentlicht wurde. In dem einseitigen Report heißt es, der "Purple Rain"-Sänger habe sich das synthetische Opioid selbst verabreicht.

Fentanyl gilt als 50 mal stärker als Heroin. In dem Bericht des Midwest Examiner's Office, der im Internet einsehbar ist, erklären die Ärzte die Untersuchungen zum Tod von Prince Rogers Nelson aus medizinischer Sicht für beendet. Zur Frage nach der Art und Weise des Todes kreuzten die Ärzte die Option "Unfall" an. Bereits wenige Tage nach dem Tod des Musikers konzentrierten sich die Ermittlungen auf die Frage, ob er an einer Überdosis starb und ob ein Arzt ihm in den Wochen vor seinem Tod Medikamente verschrieben hatte.

Die Spekulationen waren auch wegen der beiden Konzerte in Atlanta eine Woche vor seinem Tod entstanden, bei denen Prince erschöpft und müde gewirkt hatte. "Macht Euch keine Sorgen, ich werde alles geben", hatte er der Veranstalterin Lucy Freas versichert, zu den Fans sagte er: "Ich bin nur ein bisschen durch den Wind." Freas sagt nun: "Normalerweise kommt er nach seinen Shows stets auf eine kleine Party, an diesem Abend nicht. Er wollte sofort nach Hause fliegen, das war sehr ungewöhnlich für ihn." Sie habe deshalb geahnt, dass es Prince nicht gut gehe.

Prince wurde zunächst auf dem Rollfeld von Feuerwehrleuten aufgeweckt

Auf dem Rückflug von Atlanta nach Minneapolis musste das Flugzeug in Moline notlanden, damit der offenbar bewusstlose Prince behandelt werden konnte. Er wurde zunächst auf dem Rollfeld von Feuerwehrleuten aufgeweckt und später für drei Stunden in ein Krankenhaus gebracht. Yvette Noel-Schure, die PR-Agentin des Popstars, bestätigte die Krankheit und auch die Ermüdungserscheinungen.

Es blieb jedoch die Frage, ob er in Moline nur wegen einer schweren Grippe und Ermüdung behandelt werden musste oder ob ihm die Ärzte einen so genannten "Safe Shot" gegen eine Überdosis an Opiaten gaben. Ein Ermittler sagte der Nachrichtenagentur AP, dass Prince mit dem Medikament Narcan behandelt worden sei - ein Gegenmittel bei einer Überdosis Schmerzmitteln. Prince verließ das Krankenhaus nach wenigen Stunden und flog nach Hause, wo er weiter behandelt wurde.

Prince galt als fanatischer Workaholic, der bisweilen rund um die Uhr komponierte und produzierte. Er stand im Ruf, überaus gesund zu leben und auf Alkohol und Drogen zu verzichten. In seinem Haus etwa durfte auf Partys weder geraucht noch Alkohol getrunken werden. Einige seiner Freunde erklärten, sie hätten bei Prince auch keine Anzeichen für Drogenkonsum bemerkt. Eine langjährige Freundin sagte der AP, der Sänger habe aufgrund der anstrengenden Auftritte immer wieder Hüft- und Knieprobleme gehabt und dagegen Schmerzmittel genommen.

In den Wochen vor seinem Tod, das zeigen Gerichtsakten, war der Arzt Michael Schulenberg immer wieder auf dem Anwesen von Prince, um ihn wegen der Grippe und gegen Schmerzen zu behandeln. Er verschrieb ihm regelmäßig Medikamente, wobei noch immer unklar ist, welche Arzneimittel das waren - und ob Prince sie jemals aus der Apotheke abgeholt und eingenommen hat. Der Arzt hat bislang nicht mit der Presse gesprochen.

Der Musiker kontaktierte einen Tag vor seinem Tod auch Howard Kornfeld aus Kalifornien, der auf die Behandlung von Drogensüchtigen spezialisiert ist. Der schickte seinen Sohn Andrew, der selbst kein Mediziner ist, nach Minneapolis und gab ihm eine synthetische Droge mit, die bei der Therapie einer Abhängigkeit von Schmerzmitteln eingesetzt wird. "Der Arzt hat eine lebensrettende Mission initiiert", sagt sein Anwalt William Mauzy. Andrew Schuldenberg jedoch kam zu spät, laut Gerichtsakten erschien er erst auf dem Anwesen von Prince, als der bereits tot war.

© SZ vom 03.06.2016/kjan
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