Zum Tod von Prince Jetzt weinen die Tauben

Ein großartiger Wahnsinn aus Pathos und Funk geht zu Ende. Der Popstar Prince ist gestorben.

Von Andrian Kreye, Jens-Christian Rabe und Jürgen Schmieder

Nein, nicht der auch noch. Nicht Prince, der es wie kein Zweiter verstand, einen über die Jahre immer wieder unter Strom zu setzen, obwohl man eigentlich dachte, der gehört jetzt aber wirklich in die eigene, in die musikalische, in die popgeschichtliche Vergangenheit.

Prince Genie, Ikone, Rebell
Zum Tod von Prince

Genie, Ikone, Rebell

Durchströmt von Energie: Prince war ein globaler Superstar. Sein Einfluss auf die Welt des Pop ist kaum zu überschätzen. Ein Nachruf.   Von Julian Dörr

Aber dann stand man wieder in irgend einem Sportstadion, egal wo, er spielte ja überall auf der Welt. Er verschenkte am Eingang sein neues Album, weil er die Plattenfirmen so hasste und seine Fans so liebte und weil er sich lieber für die Musik verzehren wollte, als für noch irgendeine Chartplatzierung seine Seele an die Konzernschranzen zu verkaufen. Hits wie "Purple Rain", "When Doves Cry", "1999!", "Little Red Corvette", "Kiss".

Irgendwann wurden aus den Hits Alben, aus den Alben Jam Sessions auf CD. Aber das war in diesen Momenten egal. Im Sportstadion eben, wenn er seine Stimme mit einem dieser Schluchzer, von denen man nie wusste, ob sie verzweifelt oder obszön waren, in einem langen Bogen ins Falsett trieb. Und dann, wenn die Strophe vorbei war, riss er die Gitarre nach oben, als würde sie sich aufbäumen unter ihm und setzte zu einem dieser Soli an, die die Menge aus dem Häuschen brachte.

Wer so viel geniale Musik produziert, muss sich nicht erklären

In Deutschland tauchte Prince (der mit vollem Namen Prince Rogers Nelson hieß) recht früh auf dem Radar der Popgeschichte auf. "Dirty Mind" war gerade erschienen, 1980 war das. Eigentlich war es schon sein drittes Album, aber weil die anderen beiden nicht so recht vom Fleck kamen, war es eigentlich auch das erste.

Vielleicht war es ja auch dieses Cover mit dem Sänger, der einen Slip unter einem nietenbesetzten Trenchcoat trug, ein Bandana um den Hals, der einen stechenden Blick hatte, bei dem man nicht wusste, ob er einen nun verführen oder abstechen will. Aber es war ja auch egal, ob er nun ein schwarzer Rockmusiker oder ein weißer Funkmusiker war, ob die Obszönitäten schwul gemeint waren oder nicht. Man hatte so etwas auf jeden Fall noch nie gehört und so einen noch nie gesehen. Und von Debatten über postethnische Gesellschaft oder Pansexualität hatte man damals, und vor allem als Teenager, ohnehin keine Ahnung.

Es folgten dann noch zwei richtig gute Alben. Und 1984, bei der Filmpremiere von "Purple Rain", war klar, dass hier einer angetreten war, dem es nicht reichen würde, Rockstar zu werden. In diesem ganzen rüschigen Wahnsinn aus Paisleymustern und Lilatönen, Schmachtblicken und weinenden Tauben, Funk und diesen allgegenwärtigen Porno-Untertönen rammte Prince seinen ersten großen Pflock in die Popgeschichte.

In dieser Zeit fing auch seine Überproduktion an. Das teilte er mit seinen Vorgängen in der Geschichte der schwarzen Musik, die den Pop von Anfang an geprägt hat, mit James Brown und George Clinton vor allem, die sich oft finanziell aufrieben für die vielen Nebenlinien ihrer Musik, die sie dann meist als Soloprojekte ihrer Hintergrundsänger und Musiker produzierten. Weil die Plattenfirmen nicht bereit waren, den Markt jedes Jahr mit zehn Platten eines einzigen Musikers zu überschwemmen. Bei Prince waren es Sheila E., The Time, Vanity 6, Appolonia 6, Jesse Johnson, Jil Jones, lauter Namen, die in den Achtzigerjahren kurz groß wurden.

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Ein Leben für den Pop