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Versorgung am Lebensende:Sterben soll besser betreut werden

Hospiz

Im Hospiz - wie hier in Stuttgart - haben die Mitarbeiter mehr Zeit für die Todranken.

(Foto: dpa)
  • Sterbende sollen in Deutschland besser betreut werden. Das Kabinett billigte einen Gesetzentwurf des Bundesgesundheitsministeriums, durch den die Palliativversorgung in Deutschland gestärkt werden soll.
  • Pflegeverbände fürchten, dass die eingeplanten Mittel nicht reichen.

Bundesregierung investiert 200 Millionen Euro in Palliativversorgung

Wenn es nach den Plänen der Bundesregierung geht, wird in Deutschland das Sterben etwas leichter. Das Kabinett billigte einen Gesetzentwurf des Bundesgesundheitsministeriums, durch den die Palliativversorgung verbessert werden soll. Jährlich 200 Millionen Euro sind eingeplant, um eine flächendeckende Versorgung Schwerstkranker und Sterbender sicherzustellen - ob zuhause oder stationär.

Nur einem Drittel der Deutschen erfüllt sich der Wunsch, in den eigenen vier Wänden zu sterben. Die Mehrheit beendet ihr Leben in einem Krankenhaus, einem Pflegeheim oder mit Glück in einem Hospiz. In den Hospizen sind die Mitarbeiter geschult, Symptome wie Schmerzen, Atemnot oder Angst zu lindern. Dort ermöglicht die Atmosphäre ein würdevolles Sterben. Doch vor allem im ländlichen Raum gibt es nicht genügend dieser geschützten Räume. Durch höhere Zuschüsse sollen die Hospize nun gefördert werden.

Verbesserungen in Heim- und ambulanter Pflege

Große Versorgungslücken beklagen Fachleute derzeit auch in der stationären Pflege. Etwa 340 000 Menschen sterben jedes Jahr in einem Pflegeheim. Um sie in den letzter Lebensphase besser begleiten zu können, sollen Pflegekräfte geschult werden. Die Heime sollen zudem stärker mit spezialisierten Medizinern und ambulanten Hospizdiensten zusammenarbeiten. Diese Dienste begleiten Familien mit Schwerstkranken; dass sie auch in Heime kommen, wissen viele Betroffene aber nicht. Selbst die Heime haben wenig Kenntnis von den Angeboten in der Umgebung. Das soll sich ändern, indem die Heime verpflichtet werden, Kooperationspartner zu benennen.

Verbesserungen sind auch im ambulanten Bereich geplant: Familien, die häusliche Krankenpflege in Anspruch nehmen, haben künftig auch ein Recht auf eine ambulante Palliativversorgung.

Da viele Menschen nicht wissen, welche Hilfsmöglichkeiten es am Lebensende gibt, soll jeder Versicherte einen Rechtsanspruch auf Beratung bekommen. Dort können auch Themen wie die Patientenverfügung besprochen werden.

Kritik von den Pflegeverbänden

Das Ziel einer flächendeckenden Versorgung ist ambitioniert. Pflegeverbände zweifeln bereits, ob es mit den zugesagten Mitteln erreicht werden kann. Die Deutsche Stiftung Patientenschutz rechnet damit, dass pro Jahr 720 Millionen Euro benötigt werden, um in Hospizen wie in Heimen eine umfassende Palliativversorgung zu gewährleisten. Auch die Caritas und die Diakonie gehen davon aus, dass höhere Summen für die Versorgung in Pflegeheimen benötigt werden. "Nach unseren Berechnungen müssen Mehrausgaben im Umfang zwischen 250 und 500 Millionen Euro angesetzt werden", schreiben die Wohlfahrtsverbände.

Die Grünen-Gesundheitspolitikerin Elisabeth Scharfenberg legt derweil den Finger in eine weitere Wunde: Die Bundesregierung müsse endlich gegen den dramatischen Personalmangel in der Pflege vorgehen. Schon jetzt suchen viele Heime händeringend Pflegekräfte. Wenn sie künftig stärker auf die Bedürfnisse von Sterbenden eingehen wollen, brauchen sie nochmal deutlich mehr Personal.

© Süddeutsche.de/beu/mahu/rus

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