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Tuberkulose:Furcht vor resistenten Erregern

Die Fallzahlen in Deutschland sind zweifellos niedrig verglichen mit der weltweiten Situation. So berichtet die Weltgesundheitsorganisation (WHO) von 8,6 Millionen Neuerkrankungen und 1,3 Millionen Tb-Toten im Jahr 2012. "Insgesamt ist die Situation in Deutschland im weltweiten Vergleich günstig", sagt Walter Haas, Infektionsepidemiologe am RKI. "Die Meldezahlen sind in den letzten Jahren allerdings deutlich langsamer gesunken und erreichen inzwischen ein Plateau."

Daneben sieht der Experte zwei weitere Auffälligkeiten. Zum einen erkranken zunehmend Kinder, auch wenn hier die absolute Zahl der Fälle pro Jahr mit knapp 180 noch niedrig ist. Zum anderen steigt seit drei Jahren - ebenfalls langsam - der Anteil der Tb-Infektionen mit multiresistenten Erregern.

Im Jahr 2012 registrierte das RKI 65 solcher Fälle. Diese lassen sich zwar noch behandeln. Doch die ohnehin aufwendige Therapie dauert dann 20 Monate oder mehr und erfordert Medikamente, die oft heftige Nebenwirkungen haben. Deshalb brechen viele Betroffene die Behandlung vorzeitig ab. Das aber schadet nicht nur ihnen selbst, sondern fördert auch die Entstehung weiterer resistenter Erreger. "Die Gefahr besteht, dass sich dieser Trend verstärkt", sagt Haas. Denn viele Patienten, deren Erkrankung in Deutschland festgestellt und behandelt wird, stammen aus Osteuropa. Dort liegt der Anteil der multiresistenten Tb-Keime deutlich höher.

Auch innerhalb Deutschlands sind die Erkrankungszahlen sehr verschieden verteilt. Der Bundesdurchschnitt liegt bei gut fünf Fällen pro 100 000 Einwohnern. Doch betroffen sind vor allem Großstädte und darin Menschen, die laut Statistik zur Risikogruppe gehören: Wohnungslose, Drogenabhängige, HIV-Infizierte, Häftlinge und Migranten aus Ländern mit hoher Tb-Rate. Jeder Zweite, der 2012 in Deutschland eine Tuberkulose-Diagnose erhalten hat, wurde in einem anderen Land geboren.

Doch warnt Haas davor, Tuberkulose allein als ein Problem im Zusammenhang mit Flüchtlingen und Einwanderern zu sehen: "Die Migration spielt für den sich verlangsamenden Rückgang der Tb-Zahlen in Deutschland sicher eine Rolle. Aber allein damit lässt sich die Entwicklung auch nicht erklären." Dass Tb sich im vergangenen Jahrzehnt nicht völlig aus Deutschland verdrängen ließ, hat mehrere Gründe, die die Forscher derzeit noch ergründen.

© SZ vom 22.03.2014/beu

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